Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)

MATSCH, Erwin: Die Auflösung des österreichisch-ungarischen Auswärtigen Dienstes 1918/1920

Die Auflösung des Auswärtigen Dienstes 291 kommen gerecht zu werden, wobei es seinem Takte und seiner vorsichtig be­häbigen Art gelang, nicht nur mit seinen Kollegen ausgezeichnete, sondern auch mit den serbischen Ministern gute Beziehungen zu unterhalten“ 8). Missionschef in Rom war zur Zeit der dortigen Verwendung Flotows als Zweiter Zugeteilter Botschafter Heinrich Graf Lützow. Erster Zuge­teilter war zunächst Johann Graf Forgách, der spätere Sektionschef, und nach ihm Franz Freiherr Riedl von Riedenau. Am 23. Dezem­ber 1905 erfolgte die Verleihung des Titels und am 13. Jänner 1907 die Ernennung zum Legationsrat zweiter Kategorie. Am 11. Oktober 1907 wurde Flotow an die Gesandtschaft in Brüssel versetzt, deren Leiter Sieg­fried Graf Clary war, und am 27. März 1908 zum zweiten Mal an die Botschaft in Berlin als Erster Zugeteilter überstellt. Am 28. März 1909 erfolgte seine Ernennung zum Legationsrat erster Kategorie. Botschafter in Berlin war wie zur Zeit seiner ersten Dienstleistung Szögyény-Marich. In seine Dienstzeit in der Hauptstadt des wichtigsten Verbündeten Öster­reich-Ungarns fielen die Annexionskrise, die zweite Marokkokrise, der italienisch-türkische Krieg und die beiden Balkankriege. Im Verlauf von mehr als fünf Jahren hatte er wiederholt Gelegenheit, als Geschäftsträger tätig zu sein. Aus gegebenem Anlaß schrieb Szögyény-Marich an den Ersten Sektionschef, Karl Freiherrn von Macchio, daß Flotow „infolge seiner großen Erfahrung und seiner persönlichen Beziehungen der Bot­schaft große Dienste zu leisten im Stande war“ 9). Bereits kurz nach seinem Dienstantritt berichtete er nach Wien, daß die deutsche Regierung die Initiative zur Annexion von Bosnien und der Herzegowina der Monarchie als Großmacht angemessen betrachte 10), und hatte ihr in der Folge den Dank des k. u. k. Ministers des Äußern, Alois Grafen Aehrenthal, dafür zu übermitteln, daß sie den Standpunkt der Monarchie in der Annexionskrise zu dem ihren gemacht hatte11). Im Oktober 1909 ließ Aehrenthal durch den Geschäftsträger in Berlin mit- teilen, daß die k. u. k. Regierung bereit sei — um eine Verlängerung des Dreibundes zu ermöglichen —, Italien Zusicherungen auf Kompensatio­nen bei Gebietserwerbungen der Monarchie auf dem Balkan zu ge­ben 12). Im November 1910 erklärte Flotow in seiner Berichterstattung über den Verlauf des Zarenbesuches in Potsdam, daß Außenminister Sergej Di- mi trie witsch Sazonow von den friedlichen Absichten der Monarchie auf 8) HHStA Administrative Registratur (= Adm. Reg.) F 4/93, Personalakt Flotow: Bericht n. 50 von 1905 März 28. 9) Ebenda: Privatschreiben von 1912 März 21. i°) Österreich-Ungarns Aussenpolitik von der bosnischen Krise 1908 bis 1914. Diplomatische Aktenstücke des k. u. k. Ministeriums des Äußern (= ÖUA), bearb. von Ludwig Bittner und Hans Uebersberger 1 (Wien—Leipzig 1930) n. 169. u) Ebenda n. 524. 12) Ebenda 2 (1930) n. 1765. 19*

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