Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)
MATSCH, Erwin: Die Auflösung des österreichisch-ungarischen Auswärtigen Dienstes 1918/1920
DIE AUFLÖSUNG DES ÖSTERREICHISCH-UNGARISCHEN AUSWÄRTIGEN DIENSTES 1918/1920 Von Erwin Matsch Vorbemerkung. — I. Die berufliche Laufbahn Ludwigs Freiherrn von Flotow (S. 289). — II. Die Auflösung des k. u. k. Auswärtigen Dienstes (S. 303). — III. Anhang (S. 314). Der Auswärtige Dienst der habsburgischen Erbkönigreiche und Länder — seit 1804 des Kaisertums Österreich und seit 1867 der Österreichisch- Ungarischen Monarchie — bestand zweihundert Jahre. 1720 gegründet und mit seiner Zentralleitung im Palais auf dem Ballhausplatz untergebracht, fand er 1920 nach dem Untergang der Monarchie in der Wohnung seines letzten Ressortchefs, Ludwigs Freiherrn von Flotow, in der Wiener Schellinggasse (1. Bezirk) sein Ende 1). Internationale Umstände bewirkten, daß er den Schluß des Ersten Weltkrieges zwei Jahre überleben sollte. Die vorliegende Arbeit behandelt im ersten Kapitel die berufliche Laufbahn Flotows und im zweiten Kapitel die Liquidierung des k. u. k. Auswärtigen Dienstes. Anschließend bringt der Anhang den Wortlaut von drei Briefen österreichisch-ungarischer Diplomaten, die 1919 pensioniert wurden. i) Instruktion Kaiser Karls VI. für die österreichische Hofkanzlei von 1720 März 26 gedruckt in Thomas Fellner — Heinrich Kretschmayr Die österreichische Zentralverwaltung 1/3 (Wien 1907) 351—400 n. 50. — Ich hatte den Vorteil, die Unterstützung von Ludwig Alexander Flotow zu finden, der mir bisher nicht veröffentlichte Aufzeichnungen seines 1948 in Gmunden verstorbenen Vaters Ludwig zur Auswertung überließ, wofür ich ihm herzlichst danke (siehe Anm. 27, 29, 31, 35, 39 ff und 66). Mein Dank gebührt ferner dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv, wo ich vor allem bei Frau Archivoberrat Dr. Anna Hedwig Benna stets Hilfe fand. Besonders erwähnen möchte ich die Auskünfte des letzten lebenden k. u. k. Diplomaten, Dr. Paul Hevesy de Heves, später königlich ungarischer Gesandter in Madrid. Er formulierte folgenden Ausspruch, dessen Richtigkeit im Laufe meiner Arbeit immer wieder bestätigt wurde: „Wir alten Diplomaten waren Angehörige aller Völker, die innerhalb der Monarchie ihren Wohnsitz hatten, und haben dieser Monarchie aus Überzeugung gedient, da wir in ihr den besten Schutz für unsere Völker erblickten“.