Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)

MATSCH, Erwin: Die Auflösung des österreichisch-ungarischen Auswärtigen Dienstes 1918/1920

Die Auflösung des Auswärtigen Dienstes 289 I Ludwig Freiherr von Flotow wurde am 17. November 1867 in Wien als Sohn des gleichnamigen k. k. Kämmerers und österreichischen Offiziers und der Freiin Maria von Flotow, geborener Gräfin Bubna-Littic, ge­boren. Er entstammt der Familie des Komponisten Friedrich von Flotow (1812—1883). Flotow promovierte am 14. August 1894 in Graz zum Doctor iuris und erlangte, nachdem er kurze Zeit Konzeptspraktikant bei der dortigen k. k. Statthalterei gewesen war, am 30. November 1894 die Zu­lassung zur Konzeptspraxis des Ministeriums des Äußern, legte im Mai 1895 die Diplomatenprüfung ab und wurde am 9. Juni des gleichen Jahres zum unbesoldeten Gesandtschaftsattaché ernannt. Seine Mutter, bereits Witwe, verpflichtete sich zu einer jährlichen Zuwendung von 4 000 Gul­den. Unterschrift Flotows, wie er sie am 28. Dezember 1894 anläßlich der probe­weisen Zulassung als „Concepts-Aspirant“ leistete: Haus-, Hof- und Staats­archiv Wien Administrative Registratur F 4/93 fol. 267 r. Am 12. Juni 1895 erfolgte seine Zuteilung zur Botschaft in Rom, am 17. September 1896 die Ernennung zum k. k. Kämmerer. Die Botschaft am italienischen Hofe leitete damals Botschafter Carl Freiherr von Bruck, des­sen Nachfolger Botschafter Marius Freiherr von Pasetti wurde. Flotow wurde am 18. April 1898 an die Botschaft in Berlin versetzt, wo er zum ersten Mal unter Botschafter Ladislaus von (seit 1910 Graf) Szögyény- Marich diente. Am 23. Februar 1899 erfolgte die Verleihung des Titels eines Legationssekretärs, am 18. Februar 1900 die Versetzung an die Ge­sandtschaft in Bukarest, die unter der Leitung des Markgrafen Johann von Pallavicini stand, am 25. April 1902 die Ernennung zum Legations­sekretär und am 26. Oktober 1903 die Versetzung an die Gesandtschaft in Belgrad, der Dr. Konstantin Dumba Vorstand 2 *). Dies geschah zur Zeit der sogenannten „Mürzsteger Entente“, des letzten freundschaftlichen Abkommens zwischen Österreich-Ungarn und Rußland, als auf dem Ballhausplatz in Wien Agenor Graf Goluchowski und an der Sängerbrücke in St. Petersburg Graf Wladimir Lamsdorff die Funktion des Ministers des Äußern versahen. Serbien stand unter dem Eindruck der am 11. Juni 1903 erfolgten Ermordung von König Alexander I. Ob­2) Jahrbuch des k. u. k. Auswärtigen Dienstes 1916 266. Mitteilungen, Band 30 19

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