Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)

HOFFMANN, Robert: Die wirtschaftlichen Grundlagen der britischen Österreichpolitik 1919

Britische Österreichpolitik 1919 269 administer present estate, and, with long credits on easy terms, to rebuild. Allies ought to take over management of Central Bank whatever form it takes. He has spoken of modified form of financial administration in Egypt, provided Austrian pride is not too deeply wounded by details of any such scheme“ 68). Um das wirtschaftliche Band zwischen den Nachfolgestaaten fest zu knüp­fen, schlug Schumpeter die Beibehaltung einer Währungsgemeinschaft vor, wobei aber, wie er hinzufügte, von österreichischer Seite auch die Ein­führung des französischen Franc akzeptiert werden würde 69). Der parteilose Staatssekretär veranlaßte weiters, daß Oppenheimer mit den wesentlichsten Vertretern der Wiener Großbanken in direkten Kon­takt trat70). Auf diese Weise war gewährleistet, daß die anschlußfeind­lichen und auf den wirtschaftlichen Großraum der Donaumonarchie aus­gerichteten Interessen der österreichischen Industrie und Hochfinanz in der Berichterstattung des britischen Finanzbeauftragten Berücksichtigung fanden. Oppenheimers Berichte vermochten allerdings keinen Einfluß mehr auf die Formulierung der Wirtschaftsbedingungen des ersten Friedens­vertragsentwurfs zu nehmen, der den Österreichern am 2. Juni übergeben wurde. Die mit der Ausarbeitung betrauten Komitees hatten sich streng an das Vorbild des deutschen Vertrags gehalten und damit das neue Öster­reich gegenüber den mit den Alliierten verbündeten Nachfolgestaaten als Feindstaat eingestuft. Als Konsequenz dieser Vorgangsweise kamen Öster­reichs Nachbarn einseitig in den Genuß der Meistbegünstigung, wurde ihnen das Recht zur Benutzung der österreichischen Verkehrswege ohne jede Reziprozität zugesprochen und befanden sich alle Vermögenswerte österreichischer Privatpersonen und Handelsgesellschaften in den Territo­rien der Nachfolgestaaten unter Konfiskationsandrohung. Außerdem wur­de der Umrechnungsschlüssel für den österreichischen Anteil an der öster­reichisch-ungarischen Staatsschuld so festgesetzt, daß doppelt soviel zu bezahlen gewesen wäre, als der tatsächlichen Schuldenproportion ent­sprach 71). Oppenheimer erfuhr den Inhalt der Wirtschafts- und Finanzbedingungen des österreichischen Friedensvertrags noch während seines Aufenthaltes in Wien. Am 23. Mai telegraphierte er an Keynes: e») Telegramm von Oppenheimer an Keynes, 1919 Mai 18: PRO FO 608 229/ 10960. In österreichischen Finanz- und Wirtschaftskreisen hoffte man schon seit Jahresbeginn auf ein massives britisches bzw. amerikanisches Engagement. So wies Ludwig Wittgenstein, ein Bruder des Großindustriellen Karl Wittgen­tein, in einem Schreiben an Balfour vom 19. Januar auf „the advisability of establishing an English Protectorate over German Austria in order to check the spreading of anarchy and to separate German Austria from Germany“ hin: PRO FO 608 9/1035. 69) Ebenda. 70) Oppenheimer Stranger Within 369. 71) Vgl. Stadler Hypothek 214 f.

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