Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)

Zur publizistischen Auswertung des österreichisch-jugoslawischen Archivabkommens. Eine Erklärung der Generaldirektion des Österreichischen Staatsarchivs

528 Literaturberichte erreichen einen Höhepunkt zumindest in den umfassenden Vernichtungs­plänen. Im Osten wird die Behauptung gegen die Türken immer dringen­der, der Deutsche Orden gerät in Gefahr. Die Eidgenossen scheren mit dem Krieg von 1499 aus dem Reich aus. Gemäß dem Titel seiner Biogra­phie behandelt der Vf. ebenso ausführlich die Probleme und Fragen der Reform in Österreich und im Reich, und zwar nicht isoliert, sondern im engen Zusammenhang mit der „Außenpolitik“. In Österreich wird die Verwaltung nach burgundischem Vorbild und mit burgundischen Fach­leuten neu organisiert. Insbesondere beginnt bald nach dem Regierungs­antritt Maximilians auf Reichsebene das große Ringen um die Reichs­reform. Der Vf. stellt Maximilian als entschiedenen Reformer dar, der aber gleichzeitig die europäische Politik des Reichs im Auge hat. Die Reichsstände erscheinen als kurzsichtig. Sie verweigern dem König be­ständig die Hilfe, ohne die er die große Politik im Interesse des Reiches nicht betreiben kann: einer der wichtigsten Gründe, warum nach Ansicht des Vfs Maximilian in Italien und gegenüber Frankreich scheitert und im europäischen Konzert nicht eine dem Reich gebührende entscheidende Rolle spielen kann. Die Mißerfolge führen schließlich zum Verlust Reichs­italiens an Frankreich, aber auch zum Entzug des Reichsregiments durch die Reichsstände, die auf dem Augsburger Reichstag des Jahres 1500 den König entmachten. In bewußt gewählter „kritischer Nacherzählung“ (S. 3) stellt der Vf. auf einer sehr breiten, über die ältere Biographie von Ulmann (1884/91) weit hinausführenden Quellengrundlage einen umfangreichen Stoff mit unge­zählten Einzelheiten dar, ohne jedoch die allgemeine Linie zu verlieren. Diese Darstellungsform macht das Werk für den Fachmann wie für den historisch interessierten Laien sehr lesbar und lesenswert. Der Fachmann wird dazu die außerordentliche Verarbeitung der Literatur und der wich­tigsten Quellen von Wien bis Simancas anerkennen. Die Kritik hat an der Verwendung der sekundären Literatur anzusetzen. Dabei ist es relativ unerheblich, daß von E. Bocks Arbeit über die Verfas­sung des Schwäbischen Bundes inzwischen längst eine zweite Auflage mit einem wichtigen und ausführlichen Vorwort vorliegt oder daß im umfang­reichen Schriftenverzeichnis ein Titel wie die ungedruckte Dissertation von Neroutsos-Hartinger fehlt. Bedenklich scheint vielmehr, daß sich der Vf. über sehr weite Strecken seiner Arbeit auf über drei Dutzend unge­druckte Grazer Dissertationen stützt, die zum Teil sogar in der Wiener Nationalbibliothek nicht zu bekommen sind, darunter mehrere sog. Jahr­buchdissertationen, deren Wert füglich bezweifelt werden kann. Die kri­tische europäische Wissenschaft lebt seit dem 16. Jahrhundert davon, daß ihre Werke der Gelehrtenrepublik im Druck zugänglich sind. Deshalb wäre es besser, entweder die archivalischen Quellen ausführlicher zu zi­tieren oder die zitierten ungedruckten Arbeiten zu veröffentlichen. Nicht daß etwa die Ungenauigkeit von Zitaten oder mangelnde Belege in den genannten Dissertationen angemahnt würden; vielmehr sind diese Arbei­ten, soweit dem Rezensenten bekannt, zum guten Teil doch so einseitig und verbal auf ein ruhmreiches Persönlichkeitsbild Maximilians festge­legt, daß man vermuten möchte, beim häufigen Zitieren durch den Vf. sei manches davon eingeflossen.

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