Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)
LAUBACH, Ernst: Karl V., Ferdinand I. und die Nachfolge im Reich
Karl V., Ferdinand I. und die Nachfolge im Reich 41 würfnis zwischen sich und Philipp verursache. Ferdinand könne damit Karl seine Dankbarkeit für seine Erhebung von 1531 erzeigen, und Maximilian erleide keinen Nachteil, denn als Kaiser werde Philipp nicht oft im Reich sein können, und dann könne Maximilian die Position einnehmen, die jetzt Ferdinand innehabe. Sollte sich aber heraussteilen, daß Philipp aus irgendwelchen Gründen nicht Kaiser werden könne oder wolle, dann werde Maximilian viel leichter an seine Stelle treten können, wenn er sich jetzt eigener Aspirationen enthalte. Am Schluß verriet Maria dem Bruder, Philipp zeige große Neigung, eine von dessen Töchtern zu heiraten. Die Rolle, die Maria den beiden österreichischen Verwandten zudachte, war eigentlich recht demütigend. Ferdinand sollte zwar mitberaten, wurde aber nachdrücklich daran erinnert, daß er 1531 dem Kaisersohn vorgezogen worden war. Während Philipp, der als die treibende Kraft des Vorstoßes erscheint, als vollgewichtiger Verhandlungspartner gelten sollte, war für Maximilian wohl die Teilnahme an der Beschlußfassung vorgesehen, doch eine abweichende Meinung war nicht erwünscht. Im Grunde schien Maria von Maximilian nur Störungen zu erwarten. Es wäre schon allein psychologisch begreiflich, daß Ferdinand auf angemessener Mitberatung seines Sohnes bestand und sich so lange, bis der Kaiser dessen sofortige Rückkehr aus Spanien genehmigt hatte, der Sachdiskussion zu entziehen suchte. Und der Ehewink am Ende des Briefes wirkt wie ein Köder, denn Ferdinand wünschte eine solche Verbindung schon lange, hatte bislang aber bei Karl keine Resonanz dafür gefunden 21°). In seinen ersten brieflichen Stellungnahmen auf die Eröffnungen Marias hat Ferdinand diejenigen Argumente, mit denen seinerzeit Karl seine eigenen Vorschläge abgelehnt hatte, nun gegen den neuen Plan ausgespielt: Karls damaliges Urteil, wenn man die Nachfolge so festzulegen versuche, werde das nur Haß gegen ihr Haus erzeugen, sei richtig gewesen, und da die Lage sich seitdem nicht geändert habe, sei die Sache weder opportun noch realisierbar2U). In Augsburg wich er allen Sondierungen des von Karl beauftragten Bischofs von Arras aus, was beim Kaiser und Philipp erhebliche Verärgerung auslöste* 211 212). Maria mußte eigens nach Augsburg kommen, um das Gespräch in Gang zu bringen. Doch wissen wir vom Verlauf der ersten Verhandlungsrunde zwischen ihr und Ferdinand in Augsburg nur wenig mehr, als daß die Königin zunächst unverrichteter Dinge wieder abreiste. Das Thema wurde vertagt, bis Maximilian, dessen schleunige Rückberufung aus Spanien Ferdinands 210) vgl. Beiträge 1 1 (Karl an Ferdinand, 1546 Januar 20) und Bucholtz Ferdinand I. 6 457 (Ferdinand an Maria, 1549 Februar 20). 211) Bucholtz Ferdinand I. 9 731 f, 732 f; Ga chard Charles-Quint Sp. 793 Anm. 1 (1550 Juli 15 und 19; August 13). 212) Dazu mehrere Briefe von Arras an Maria: Beiträge 1 441, 449, 458 f, 472 ff; ferner Ranke Deutsche Geschichte 6 276 ff.