Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)

LAUBACH, Ernst: Karl V., Ferdinand I. und die Nachfolge im Reich

42 Ernst Laubach Räte mit der Begründung empfohlen hatten, man könne in dieser wich­tigen und ihn so stark berührenden Frage nicht ohne ihn raten und ent­scheiden, in Augsburg eingetroffen war * 214 21S). Folgt man den Berichten der fremden Diplomaten, so hat Maria nicht nur versucht, Ferdinand von der Richtigkeit des Plans zu überzeugen, sondern auch, indem sie ihm die Erfüllung eigener Wünsche in Aussicht stellte, ihm seine Zustimmung abzuhandeln. Von vier Punkten wollte man wissen, die als Gegengaben für Philipps Nachfolge diskutiert wür­den 214). Zwei innerhabsburgische Eheprojekte: Philipp selbst solle eine Tochter Ferdinands heiraten, und Ferdinands zweiter Sohn eine Cousine mit ansehnlicher Mitgift erhalten. Ferner sei die Rede von wirksamer, vor allem finanzieller Unterstützung Ferdinands in Ungarn, und schließlich solle er das Herzogtum Württemberg, das er seit dem Schmalkaldischen Krieg wegen Felonie des Herzogs zurückzugewinnen hoffte, zugesprochen bekommen216). Da diese Informationen nicht aus erster Hand stammen, muß offen bleiben, wie weit Marias Angebote wirklich gegangen sind, zumal die Grenze des Erpresserischen einige Male gestreift wird. Zu­mindest der letzte Punkt war sicher keine Preisforderung Ferdinands, der vielmehr einen Rechtsanspruch auf Württemberg angemeldet hatte und aus rechtlichen und Prestigegründen die Verquickung mit jener poli­tischen Frage ablehnte 21°). Wirksame Türkenhilfe lag gewiß in Ferdi­nands Interesse, doch meinte er auch darauf ein Recht zu haben. Als er sie aber während der Pause in den Familienberatungen beim Reichstag beantragen wollte, kam es zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Karl und ihm, weil der Kaiser bei Geldforderungen an die Reichsstände andere Prioritäten setzte217 *). Im Grunde war das ein Ausbruch von Karls Ärger über Ferdinands Hartnäckigkeit, seine abweichenden Auffassun­gen zu vertreten. Als dieser dann während der letzten Verhandlungs­runde mit Maria eine detaillierte Zusage wünschte, wie ihn Karl bei der Wiedergewinnung Siebenbürgens sowie bei neuen unprovozierten 21S) Ebenda 5 95; Beiträge 3 172. 214) VD 2 438 f, 457 ff, darin als Angebote Arras’ bzw. Marias bezeichnet; Beiträge 1 503 f; Bericht des Nuntius Pighino, 1550 September 18 in Archivio Segreto Vaticano: Nuntiature diverse 247 fol. 77v—78v (kurz zusammengefaßt in NB 12, bearb. von Georg K u p k e [Berlin 1901] XLIII), darin als Be­dingungen Ferdinands bezeichnet; Bericht des Natale Musy an den Kardinal von Mantua, 1550 Oktober 3 in Archivio di Stato, Mantova: Archivio Gonzaga busta 444, darin als Angebote des Kaisers bezeichnet (der Württemberg betref­fende Punkt fehlt). 215) Württemberg war seit dem Kaadener Vertrag österreichisches After­lehen. Ferdinand hatte schon 1547 ein scharfes Vorgehen gegen den protestan­tischen Herzog Ulrich gewünscht, doch Karl hatte diesen begnadigt (dazu Brandi Karl V. 1 467 f und 498). Ferdinands Standpunkt sehr ausführlich bei Bucholtz Ferdinand 1. 9 529 ff. 216) VD 2 438 f, 458 f; vgl. auch Beiträge 1 618. 217) Dazu die Briefe: Ferdinand an Karl, 1550 Dezember 14, und Karl an Maria, 1550 Dezember 16 bei L a n z Correspondenz 3 11 ff bzw. 15 ff.

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