Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)
LAUBACH, Ernst: Karl V., Ferdinand I. und die Nachfolge im Reich
38 Ernst Laubach sehen Lage in Italien riskant, jetzt erkennen zu lassen, daß man die Autoritäts- und Rechtsverhältnisse dort zu ändern beabsichtige; man solle lieber wartenl"). Aus seinen Äußerungen geht hervor, daß Karl vorerst die Fortführung des Kaisertums durch die österreichische Linie im Auge hatte und zum Ausgleich einen Ausbau der Position Philipps in Italien anstrebte; dieser sollte jedenfalls, wenn die österreichische Linie den Kaiser stellte, das Reichsvikariat in Italien bekommen, also dort den entscheidenden Einfluß ausüben. Allerdings ging Philipp in seiner Stellungnahme von der Prämisse aus, Maximilian solle bereits als übernächster Kaiser nominiert werden. Ob er das hintertreiben bzw. seinen eigenen Anspruch anmelden wollte, sei dahingestellt — nicht ableiten kann man daraus m. E., daß Ferdinand 1548 eine Festlegung der Nachfolge zugunsten Maximilians vorgeschlagen habe, zumal wenn man seine Konzeption von 1546 und seine späteren Argumente gegen Sukzessionsverhandlungen für Philipp berücksichtigt, denn sein Verhalten hätte dann jeder Glaubwürdigkeit und Folgerichtigkeit ermangelt * 200). Sehr gewehrt hat Ferdinand sich später gegen die Verstärkung der Stellung Philipps in Italien auf seine Kosten. Sollte ihn diese Absicht 1548 überrascht und dazu bewogen haben, angesichts der Höhe des Preises für weitergehende Nachfolgeüberlegungen den Rückzug anzutreten? Von nun an stand Ferdinand nur noch in der Defensive. Im März 1549 glaubte er sogar Anlaß zu haben, seine eigene Sukzession verteidigen zu müssen 201). Dabei beweist nicht nur die Art seines Protestes seine sachliche und persönliche Betroffenheit, sondern auch die Verbitterung, die er noch Monate später gegenüber Karls Gesandtem Chantonnay an den Tag legte, obwohl jener ihm nochmals bestätigen sollte, der Kaiser habe nie die Absicht gehegt, ihm den Rücktritt von der römischen Königswürde zugunsten Philipps zuzumuten 202). Da jenes Gerücht aber schon länger als ein Jahr umlief, ist zu fragen, warum Ferdinand es nun so ernst genommen hatte. 199) Philipps Argumente in einem Brief Albas an Granvella, 1548 April sine die; Kopie in Archives générales du Royaume de Belgique (= AgRB) Bruxelles: Manuscrits divers 161 fol. 245r—246r. Ausführliches Referat bei Théodore Juste Les Pays-Bas sous Charles-Quint. Vie de Marie de Hongrie (Bruxelles— Leipzig 1855) 90 f. 200) Anders Ga chard Charles-Quint Sp. 787 f; Soldan Succession 1 6f; Wilhelm Maurenbrecher Beiträge zur Geschichte Maximilians II. 1548—1562 in HZ 32 (1874) 228 f; Fernandez Alvarez Politica mundial 131 f. 201) Bucholtz Ferdinand I. 9 726—728. Ende März häufen sich die Erwähnungen in den Berichten der Diplomaten. Vgl. NB 11, bearb. von Walter Friedensburg (Berlin 1910) 255, 263, 433, 267 Anm. 3. 202) Karls Instruktion für Chantonnay in Beiträge 1 bearb. von August von Druffel (München 1873) 242—250, zu oben bes. 245 f. Ferdinands Erwiderung auf dessen Vortrag geht aus seinem Brief an Maria, 1549 Juli 27, hervor (ebenda 268 f).