Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)

LAUBACH, Ernst: Karl V., Ferdinand I. und die Nachfolge im Reich

Karl V., Ferdinand I. und die Nachfolge im Reich 37 erhoben hat, ableiten wollte 192), kann nicht mit Sicherheit gesagt wer­den. Rassow hat nicht genügend berücksichtigt, daß die Geschichte schon kursierte, als Ferdinand noch mit Karl in Augsburg zusammen war, und daß sie von ihm in seinem Protestschreiben an die Schwester Maria wie eine Neuigkeit behandelt wird 193). Man kann doch nicht annehmen, Fer­dinand habe 1548 in Augsburg nichts davon gehört194), wohl aber, daß er als Kenner der wirklichen Lage darüber hinweggegangen ist. In Augs­burg ist zwischen den Brüdern über die Zukunft des Hauses beraten worden und in diesem Rahmen auch über das Nachfolgeproblem. Jedoch kennen wir von dieser Diskussionsphase nicht viel mehr als eben die Er­gebnisse. Zur engeren Verklammerung beider Linien wurde die Ehe zwischen Fer­dinands ältestem Sohn Maximilian und der Kaisertochter Maria beschlos­sen, und zwar mit der interessanten Kautel, daß Maria auf ihre Suk­zessionsrechte in den spanischen Reichen nicht zu verzichten brauchte 195), so daß im Fall eines vorzeitigen Aussterbens der Linie Karls — Philipp hatte nur einen Sohn und war Witwer — der gesamte habsburgische Macht­bereich in den Händen des Ehepaares Maximilian-Maria wieder ver­einigt worden wäre. Hinsichtlich der Nachfolge im Reich einigte man sich, bis auf weiteres nichts zu unternehmen und sich vor etwaigen Schritten bei Dritten untereinander zu verständigen 196). Nach einer späteren, leider sehr knappen Darstellung Ferdinands 197) hat Karl es damals nach lan­gem Erwägen und Korrespondenz mit Spanien — also mit Philipp und dessen Beratern — für besser erachtet, keine Verhandlungen aufzuneh­men, weil daraus nur Haß auf ihr Haus entstehen werde und er nicht wisse, wie man die Sache sicherstellen könne. Ferdinand hatte der Ver­tagung zugestimmt, weil — wie er schreibt — das Urteil des Kaisers fundiert gewesen sei. Doch könnte ihn auch die Stellungnahme Philipps beeinflußt haben 198). Philipp hatte geltend gemacht, es sei angesichts der unsicheren politi­1!>2) Rassow Forschungen 300—302; dsbe Politische Welt 33 f. 193) 1549 März 29: „Madame ensuivant la grande confidence qu’ay en vous et sachant que comme prudente princesse poures prevenir aux ynconveniens qui s’en pouroient ensuivir, encoire, qu ne baisle foy a ce que ay entendu come shosse qui me semble poeint creable en nulle fáson, toute fois pour ce que ay esté adverty de plusieures lieux et en partié de persones fidedignes, n’ay volu obmettre de le vous escripre ...“ (B u c h o 11 z Ferdinand I. 9 726 f). 194) So anscheinend Julius Witter Die Beziehungen und der Verkehr des Kurfürsten Moritz von Sachsen mit König Ferdinand (Diss. Jena 1886) 22. 195) Peter Rassow Karls V. Tochter Maria als Eventual-Erbin der spani­schen Reiche in Archiv für Reformationsgeschichte 49 (1958) 161 ff. 198) Darauf haben sich beide Seiten später mehrmals berufen (siehe unten). 197) An Maria, 1550 Juli 15: Bucholtz Ferdinand I. 9 731 f. 198) Ferdinands Brief läßt das offen. Seine Zustimmung zur Vertagung nach Eingang der Stellungnahme Philipps teilte Granvella Maria mit, 1548 Mai 7 (Gachard Charles-Quint Sp. 788 Anm. 5).

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