Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)

SCHRÖCKER, Alfred: Leibniz als Herausgeber historischer Quellen

Leibniz als Herausgeber historischer Quellen 137 z. B. 1695/96 dem befreundeten Hermann von der Hardt Wiener Akten­bände zum Konstanzer Konzil73). Erfolgreich hatte Leibniz im Vorwort des Codex juris gentium diplomati­cs zu freundlicher Mithilfe aufgerufen und eine entsprechende Dank­adresse im zweiten Band in Aussicht gestellt. Die Aufforderung wurde nicht nur durch das Buch selbst, sondern auch durch die raschen Rezensio­nen verbreitet74). Der Personenkreis, der Leibniz bei der Handschriftenbeschaffung behilf­lich war, reichte von Verwaltungsbeamten und Gesandten bis zu den reinen Fachwissenschaftlern und war wie seine gesamte Korrespondenz international. Von den braunschweig-lüneburgischen Beamten sind vor allem Christoph und Chilian Schrader 75) zu nennen: der eine Reichstags­gesandter in Regensburg, der andere Hof- und Justizrat in Celle. Braun­schweigische Dokumente besorgte der Vizekanzler in Ostfriesland, Hein­rich Avemann, vorher Stadtsekretär in Braunschweig. Ein guter Hand­schriftenkenner und berühmter Genealoge, der ebenfalls in Ostfriesland tätige Christoph Joachim Nicolai von Greiffencrantz drängte Leibniz man­che Stücke geradezu auf. Die befreundeten Conrad Barthold Behrens, Me­diziner und Freizeithistoriker in Hildesheim, Gerhard Wolter Molanus, der Abt von Loccum, ein bedeutender Reunionspolitiker und Polyhistor, oder Hermann von der Hardt, Herausgeber der mehrbändigen Akten zum Konstanzer Konzil, lieferten selbstverständlich ihren Beitrag oder ver­mittelten Adressen, nicht weniger als der bremische Universalgelehrte Gerhard Meier. Bedeutende Bibliothekare wie Daniel Nessel, der kaiser­liche Hofbibliothekar, oder Lorenzo Zaccagni, der Erste Kustos der Vati­kanischen Bibliothek, versorgten Leibniz mit Handschriften. Vom Bollan- disten Daniel Papebroch erhielt er den Chronista Saxo. Die englischen Gelehrten Thomas Rymer, der selbst eine sehr große Sammlung engli­scher Dokumente edierte, Gilbert Burnet oder Thomas Smith, den nordi­schen Gelehrten Johann Gabriel Sparwenfeld, die Niederländer Hendrik van Bleiswijk, Petrus de Valckenier, den gelehrten Kanoniker Claude Nicaise in Dijon und manch anderen wies Leibniz in seinen Ausgaben nach. Mit dem berühmten Editor Antonio Muratori existierten gemein­same Editionspläne76). Oder ein Friedrich August Hackmann, der 1707 73) LBr 366. 74) Z. B. Journal des Scavans (1693) 449—450; Acta Eruditorum (1693) 370— 380; Monatliche Unterredungen (1693) 178 f, 339 f, 683—690. Aus den Acta Erudi­torum erfuhr es der Schlesier Johann Albert von Heugel, der Leibniz darauf­hin Dokumente zuschickte (LBr 401). 75) Zu diesen und den folgenden Personen vgl. Leibniz’ Korrespondenzen in LSB 1/5—9; umfangreiches unveröffentlichtes Material für die Jahre ab 1694 im Leibniz-Nachlaß in Hannover (meist LBr). Viele Erwähnungen auch bei D a v i 11 é Leibniz Historien Register. 7«) LBr 676; Muratori lebte von 1672—1750; sein Werk Delle antichitä Estensi erschien 1717 in Modena.

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