Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)

SCHRÖCKER, Alfred: Leibniz als Herausgeber historischer Quellen

Leibniz als Herausgeber historischer Quellen 133 zubieten und vom Codex statt der drei geplanten Bände nur noch eine Ergänzung zum ersten Band erscheinen zu lassen. Eine Fortsetzung des Codex bot wohl keine rechte Möglichkeit mehr, sich durch etwas Neues zu profilieren. Leibniz sammelte zwar noch eifrig, versuchte aber nicht, bis zu einem systematischen Band zu warten, sondern veröffentlichte statt dessen wichtige Einzelstücke, vor allem die Chronik des Alberich von Trois-Fontaines 53). Bei den Scriptores rerum Brunsvicensium erhielt der persönlich-wissen­schaftliche Ehrgeiz schließlich einen anderen Akzent. Leibniz legte nun geringeren Wert auf den Gesichtspunkt der Erstpublikation besonders interessanter Quellen; dagegen stand die thematische Materialsammlung zu einer Haus- und Regionalgeschichte, Reichsgeschichte mit einbezogen, im Vordergrund. Beispielgebend für Deutschland und ausdrücklich im Vergleich mit Goldast, Seri verius, Lindenbrog, Du Chesne, Pellegrino oder Caracciolo, Autoren, die regionalgeschichtliche Quellen für Schwa­ben, die Niederlande, für nordische Länder, für die Normannen, die Lom­bardei bzw. Neapel veröffentlicht hatten54), sollte nun der Akzent auf einer regionalgeschichtlichen Quellenausgabe für Niedersachsen liegen. Daneben wollte Leibniz aus der nötigen Wiederholung einzelner Stücke eine Tugend machen und bereits gedruckte Texte zur niedersächsischen Geschichte nach den Handschriften verbessert oder überhaupt neu aus zuverlässigeren Handschriften publizieren 55). Bereits ein gutes Jahrzehnt vorher hatte Leibniz schon die Absicht ge­habt, in Zusammenarbeit mit dem Réfugié Alphonse Des Vignoles66) Leibniz’ Codex übernommenen Stücke nachweise, daß sich jedoch Leibniz nicht bereit gefunden habe, seine weiteren gesammelten Stücke zum Abdruck zu überlassen. — Fast gleichzeitig mit Leibniz’ Codex war erschienen: Frédéric Léonard Recueil de traitez ... faits par les rois de France, 6 Bände (Paris 1693). 53) LBr 862 (Siegel), 308 (Germer), 895 (Steffani 1695/96): unerlaubter Nach­druck, Übemahmekonditionen; z. B. edierte Leibniz 1696/97 das Diarium Bur- chardi teilweise (Ra vier nn. 37 und 38); Alberici Monachi Trium Fontium Chronicon (1698) (Ra vi er nn. 44 und 45); Accessiones historicae 1 (1698), 2 (1700) (R a v i e r nn. 43, 48 und 49). 54) Melchior G o 1 d a s t Scriptores rerum Alammanicarum (Frankfurt/Main 1661); Petrus Scriverius Batavia illustrata (Leiden 1609); Erpold Linden­brog Scriptores rerum Germanicarum septentrionalium vicinorumque populo­rum diversi (Frankfurt 1611); André DuChesne Historiae Normannorum scriptores antiqui (Paris 1619); Antonio Caracciolo De sacris ecclesiae Nea­politanae monumentis liber singularis (Neapel 1645); dsbe Antiqui Chronologi quatuor Herempertus Langobardus, Lupus Protospata ... (Neapel 1626); Camillo Pellegrino und Camillo Caracciolo Historia principum Langobardo­rum, 2 Bände (Neapel 1643). 55) Zusammenstellung bei Eckert Leibniz’ Scriptores 111—140. 5,i) 1649—1744. 1703 Mitglied der Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, 1713—1720 reformierter Prediger in Köpenick: Hoef er in Nouvelle Biographie Générale 46 (Paris 1866) 147—148.

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