Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)

SCHRÖCKER, Alfred: Leibniz als Herausgeber historischer Quellen

124 Alfred Schröcker Einmaligkeit überschätzt, Korrekturen anzubringen. Zugleich handelt es sich um einen Beitrag zur Geschichte der kritischen Herausgabe histori­scher Quellen 3). I Schon eine grobe Übersicht läßt den beträchtlichen Umfang von Leibniz’ Herausgebertätigkeit erkennen. Die Scriptores rerum Brunsvicensium, von 1707 bis 1711 erschienen, und der Codex juris gentium diplomaticus von 1693 samt dem Ergänzungsband von 1700 umfassen ohne Register mehr als 2700 Folioseiten. In den neunziger Jahren des 17. Jahrhunderts erschienen die Accessiones historicae, das Diarium Burchardi und die Chronik des Alberich von Trois-Fontaines; diese drei Editionen zusammen belaufen sich auf rund 2200 Quartseiten. Leibniz legte damit ein umfang­reiches Quellenmaterial über das hohe und späte Mittelalter bis 1500 vor. Im Codex, der bisher noch nicht monographisch untersucht ist, und seinem Ergänzungsband ließ Leibniz insgesamt 260 Stücke drucken: Ur­kunden, Briefe, Verträge, Testamente, Mandate, Dekrete, Bullen, Akten, Gesetze, Statuten, Zeremonialien. Die Scriptores enthalten dagegen ganz oder teilweise wichtige Geschichtsschreiber zur Geschichte Sachsens und des Reichs, daneben auch andere Geschichtsquellen wie Nekrologien, ins­gesamt 157 Nummern. Über diese Bände hinaus hatte Leibniz weit mehr gesammelt. Zum Bei­spiel sollte der Codex bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts fortgeführt werden. Großenteils aus dem Nachlaß von Leibniz veröffentlichte der Sekretär Johann Georg Eckhart, ab 1714 Hofbibliothekar und Historio­graph, von Leibniz als Nachfolger favorisiert, 1723 sein Corpus historicum medii aevi mit ungefähr 2200 Folioseiten4). Von 1749 bis 1753 edierte schließlich Christian Ludwig Scheidt die vier dicken Bände der Origines Guelficae aus dem Nachlaß von Leibniz 5). 3) Eine Geschichte der kritischen Edition historischer Quellen ist bisher nicht geschrieben. Wichtige Hinweise bei Marc Bloch Critique historique et critique du témoignage in Annales. Economies — Societés —- Civilisations 5 (1950) 1—8; Léon-E. Halkin Elements de critique historique (Liege 1960) 109—192; Robert Marichal Critique des Textes in Charles Samar an (Hg.) L’Histoire et ses méthodes (Paris 1961) 1247—1360; Georges Tessier Diploma­tique, ebenda 633—676; Richard Rosenmund Die Fortschritte der Diplomatik seit Mabillon vornehmlich in Deutschland-Österreich (München-Leipzig 1897); Franz Xaver W e g e 1 e Geschichte der deutschen Historiographie seit dem Auf­treten des Humanismus (München—Leipzig 1885); Eduard Fueter Geschichte der neueren Historiographie (München—Berlin 1911); Heinrich Ritter von S r b i k Geist und Geschichte vom deutschen Humanismus bis zur Gegenwart, 2 Bände (München—Salzburg 1964); Emil Clemens Scherer Geschichte und Kirchengeschichte an den deutschen Universitäten (Freiburg/Breisgau 1927). 4) Ra vier n. 368; vgl. ferner Eckharts Editionen Ra vier n. 358, 347, 328. 5) R a v i e r n. 445, 448, 450, 455.

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