Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)
SCHRÖCKER, Alfred: Leibniz als Herausgeber historischer Quellen
LEIBNIZ ALS HERAUSGEBER HISTORISCHER QUELLEN Von Alfred Schröcker Das Wissen über geschichtliche Vergangenheit ist stets durch Träger vermittelt, die wir Quellen nennen 1). Es gibt für den Historiker nicht das wiederholbare Experiment, sondern einfach eine absolute Grenze: Hinter die überlieferten Informationsträger kann er nicht zurück. Die Qualität historischer Forschung hängt damit wesentlich vom Umgang mit den Trägern und Vermittlern des Wissens ab. Dieser Umgang enthält zwei grundlegende Aspekte: Der eine betrifft die Quelle als Objekt, d. h. ihre Sicherung, Fragen der Überlieferung, der Zugänglichkeit und Edition; der zweite Aspekt läßt sich unter dem Stichwort Hermeneutik andeuten; es geht um das allgemeine Bewußtsein der Methode, um die gegebenen Voraussetzungen des forschenden Subjekts, um Möglichkeiten und Regeln des Verständnisses und der Interpretation, ganz allgemein um den Informationsvorgang selbst in subjektiver und objektiver Sicht. Beide Aspekte sind zwar disziplinär und oberflächlich gesehen in der historischen Entwicklung getrennt — wobei in der Geschichtswissenschaft oft die hermeneutischen Probleme zu wenig beachtet werden —, sie hängen jedoch auch eng zusammen, weil eine kritische Sicherung der Quelle immer auch von der allgemeinen Problematik historischer Erkenntnis geprägt ist. Zweifellos stellt der Umgang mit den Quellen unter beiden Aspekten zusammen, aber auch im Sinne jedes einzelnen, den wichtigsten Gradmesser sowohl für die subjektive als auch für die epochale Qualität und Höhe der Geschichtswissenschaft dar. Für die europäische Geschichtswissenschaft wird mit dem Beginn des Mittelalters die schriftliche Vermittlung der Vergangenheit dominierend, i) Zu diesem oft vernachlässigten Gesichtspunkt vgl. Karl Georg Faber Theorie der Geschichtswissenschaft (München 1971) 29 f, 40 f; Armin Wolf Art. Quellen, Allgemein und Art. Historische Grundwissenschaften in Fischer-Lexikon Geschichte, hg. von Waldemar Besson (Frankfurt 1961) 269—276 bzw. 65—78; Johann Gustav D r o y s e n Historik. Vorlesungen über Enzyklopädie und Methodologie der Geschichte (Darmstadt 1974) § 20—24; Franz-Josef Schmale Art. Quellenkritik und Quellenkunde in LThK 8 (1963) 932—933. I. Das Ergebnis von Leibniz’ Editionstätigkeit (S. CjH). — II. Beweggründe für Kritik und Quellenedition (S. — III. Die Quellenbeschaffung (S. 'tlÖÖjl. — IV. .Leibniz’ Editionstechnik (S.4qß). — V. Leibniz als Editor und Historiker