Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)
HEISS, Gernot: Die ungarischen, böhmischen und österreichischen Besitzungen der Königin Maria (1505–1568)
Die ung., böhm. und österr. Besitzungen der Königin Maria (1505—1558) 121 gin-Witwe beendete Saurman selbständig die Münzprägung in Breslau im Juli 1529, wurde aber danach hier Münzmeister Ferdinands 68 69). In diesem Streit zwischen Maria und Konrad Saurman ging es um folgendes: Im „Münzbrief“ Marias für Saurman und Heinrich von Witte über die Prägung polnischer Groschen in Schweidnitz war festgelegt worden, daß jene an Maria von jeder Mark Silber Wiener Gewicht 15 Groschen oder ]/2 rh. fl. zu bezahlen hätten, was nun die Königin von jeder Mark „Pagamentsilber“ — der Legierung, in der geprägt wurde — verlangte; Saurman hingegen wollte nur von jeder Mark Feinsilber und außerdem nur bis zu König Ludwigs Tod bezahlen 6U). Der Streit zog sich noch mehrere Jahre hin. Maria ersuchte Ferdinand, mit Saurman nicht abzurechnen, bevor er sich nicht mit ihr verglichen habe; Ferdinand sollte außerdem einen unparteiischen Sachverständigen in Münzangelegenheiten zum Richter ernennen70). Die Königin ließ sich durch den Bruder ihres Kammergrafen, den Wiener Münzmeister Thomas Beheim vertreten71), und das auch, als zu ihrer Unzufriedenheit Ende 1537 die Sache noch immer nicht erledigt war und sie auch wegen des Prozesses gegen Bernhard Beheim von dessen Bruder keine Wahrung ihrer Interessen mehr erwarten konnte. Am 20. Dezember 1539 fällten Ferdinands Kammerräte in Wien ein Urteil zugunsten Saurmans 72), und obwohl die Königin von Dr. Johannes Spolin aus Nürnberg ein Gutachten dagegen erstellen ließ 73) und Spolin im Oktober 1541 zu Verhandlungen darüber an Ferdinand sandte 74), dürfte es dabei geblieben sein. 68) N e w a 1 d Münzwesen 36. 69) Siehe Anm. 62. 70) Eingabe Ulrich v. Eytzings und Sebastian Pempflingers im Auftrag Marias an Ferdinand, s. d. (1532 Jänner 31): Kopie mit Randbemerkungen zur Erledigung im HKA Verm. ung. Gegenstände 1 fol. 259 f; Instruktion Marias für Ulrich v. Eytzing an Ferdinand, 1532 Mai 27 Brügge: Kopien im HHStA Ungarn 343 fol. 179 ff; siehe Anm. 53; Ulrich v. Eytzing und Melchior Wackin an Ferdinand, 1534 Februar 12 Prag: Kopie im HHStA Ungarn 343 fol. 230 ff; Maria an Ferdinand, 1534 August 6 Gent: Or. im HKA Verm. ung. Gegenstände 1 fol. 292 ff. 71) Ebenda; Instruktion Marias für Peter Scharberger an Ferdinand, an ihre Räte in Wien und zu einer Reise in die Bergstädte, 1537 November 2 Lüttich: Or. im HHStA Ungarn 343 fol. 272 ff. 72) Siehe oben Anm. 62. 73) Ebenda. 74) Maria an Ferdinand, 1541 Oktober 17 Brügge: Or. im HKA Verm. ung. Gegenstände 1 fol. 383.