Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)
HEISS, Gernot: Die ungarischen, böhmischen und österreichischen Besitzungen der Königin Maria (1505–1568)
120 Gernot Heiß sien eine Münze zu errichten und dort 32.000 Mark Feinsilber (ungarisches Gewicht zu 16 Lot) zu vermünzen. Die Münzen sollten den Feingehalt und das Gewicht haben, wie Ludwig sie in Ungarn prägen ließ. Für jede ihm gelieferte Mark Feinsilber hatte er an die Königin 5Vz ung. fl., den Preis, den sie dafür den Bergleuten bezahlte — zu geben, und aus dem Überschuß sollte die Forderung Saurmans von 40.000 ung. fl., die durch Ausgaben bei Marias Hochzeit und für die Hofhaltung entstanden waren, getilgt werden. Saurman war auch verpflichtet, der Königin am Ende der Prägung Rechnung zu legen 61). Da Saurman in der schlechten vierlotigen Silbermünze prägen ließ62), wie sie damals in Ungarn üblich war63), konnte ein hoher Gewinn erwartet werden. 1525 wurde aber die Prägung dieser schlechten „Kupfermünze“ eingestellt. Zur Tilgung der restlichen Schulden erlaubte Maria am 10. Juli 1525 Konrad Saurman und Heinrich von Witte, in der Münze Schweidnitz durch den Münzmeister Paul Man soviel Silber in polnischen Groschen ausmünzen zu lassen, wie sie bekommen könnten. Je Mark Wiener Gewicht sollten sie der Königin 15 Groschen oder V2 rh. fl. gutschreiben. Für den Fall, daß die Prägung verboten oder mit Gewalt verhindert würde, versprach Maria, sie in anderer Weise zu entschädigen 64). Diese in Schlesien geprägte polnische Kleinmünze war geringwertig, und führte mehrmals zu Differenzen zwischen Polen und Schlesien. Seit 1522 klagte der polnische König wiederholt über die in Schweidnitz geprägte polnische Münze65). Nachdem König Ludwig am 18. Juni 1526 die Rechte Marias und die Verwaltung durch Saurman nochmals ausdrücklich anerkannt hatte 66), prägte Saurman auch noch nach dessen Tod in Schweidnitz und Breslau im Namen Marias. Erst mit Mandat vom 26. Juli 1528 stellte Ferdinand die Münzprägung durch Saurman in Schweidnitz ein, nachdem sich die böhmischen Stände wegen der Verbreitung der hier geprägten schlechten Münze beklagt hatten 67). Infolge eines Streites mit der Köni61) Urkunde Marias für Saurman und dessen Sohn, 1523 November 15 Preß- burg: Kopie im HKA Verm. ung. Gegenstände 1 fol. 76 f; vgl. Johann N e w a 1 d Das österreichische Münzwesen unter Ferdinand I. (Wien 1883) 31. 62) Denkschrift des Dr. Johannes Spolin für Ferdinand über den Streit mit Saurman, s. d. (1541 Oktober): HKA Verm. ung. Gegenstände 1 fol. 101 ff und fol. 384 ff („nun hat Saurman bey diser hungarischen muntz aus einer fein marckh nit gar vier marckh pagamennt zu den hungarischen pfennigen gemacht ...“). 63) Vgl. Ratkos Die Entwertung passim. 64) Urkunde Marias für Saurman und Witte, 1525 Juli 10 Ofen: zwei Kopien im HKA Verm. ung. Gegenstände 1 fol. 86 ff; vgl. N e w a 1 d Münzwesen 32. 65) Vgl. Newald Münzwesen 33; Palacky Geschichte von Böhmen 5/2 468. ««) Urkunde Ludwigs für Saurman, 1526 Juni 18 Ofen: zwei Kopien im HKA Verm. ung. Gegenstände 1 fol. 98 ff. 67) Vgl. Newald Münzwesen 34 f; vgl. oben Anm. 62 (wegen Klagen der Schlesier und deren Schwierigkeiten mit den Polen, die dadurch entstanden waren).