Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)

HEISS, Gernot: Die ungarischen, böhmischen und österreichischen Besitzungen der Königin Maria (1505–1568)

Die ung., böhm. und österr. Besitzungen der Königin Maria (1505—1558) 117 an den Landeshauptmann Johann von Pernstein und an den Landes­kämmerer Kuna von Kunstadt, die Ferdinand Anfang 1530 zu überneh­men versprach36). Bereits Anfang des Jahres 1529 führte Maria bezüglich des Schlosses Znaim mit den mährischen Ständen Verhandlungen: Sie hatte ein Ver­sprechen gegeben, dessen sie durch die Stände mit Ferdinands Hilfe ent­hoben werden wollte 37). Welcher Art dieses Versprechen war, wird nicht klar. Möglicherweise deswegen, jedenfalls auf Grund eines Rechtsanspru­ches besetzte Prosenoffsky als Vertreter der mährischen Stände nach Ma­rias Abreise und gegen ihren Willen Schloß Znaim 38). Maria konnte vor­erst bei Ferdinand nur den Befehl erwirken, daß die Stadt bis auf wei­teres den Zins, den sie jährlich an den Burghauptmann zu geben hatte, nicht bezahlte 39). Vor ihrer Abreise nach den Niederlanden erlaubte Ferdinand am 28. Fe­bruar 1531 der Schwester, zur Deckung ihrer Schulden Znaim für 6000 rh. fl. zu verpfänden. Das Darlehen sollte aus dem Ertrag getilgt werden, und Ferdinand verpflichtete sich außerdem, eine Verzinsung von 10% zu garantierten40). Die Königin-Witwe verpfändete Znaim an Hans Teick- witz zu Pölitz 41) und ersuchte Ferdinand, wie versprochen, nun Briefe an Johann von Pernstein (der bei der Abtretung Znaims an Mezric kei­ne Schwierigkeiten machen sollte) und an Brod (wegen der Schulden) zu senden42). Obwohl Ferdinand mit Pernstein auch mündlich darüber sprach 43), bemühte sich dieser, mit Berufung auf das Interesse des Lan­des, die Übergabe Znaims zu verhindern44). Erst im September konnte Hans Teickwitz das Schloß übernehmen 45). so) Maria an Ferdinand, 1530 Jänner 9 und 18 Linz, ed. ebenda 547 und 569 ff; Ferdinand an Maria, 1530 Jänner 17 Budweis, ed. ebenda 567 ff. 37) Maria an Ferdinand, 1529 Jänner 18 Znaim, ed. ebenda 364 f. 38) Marias Räte an Ferdinand, 1531 September 24 Retz: Or. im HKA Verm. ung. Gegenstände 1 fol. 252 f. 39) Ebenda (Maria ersucht jetzt Ferdinand, diesen Befehl aufzuheben, da Teickwitz das Schloß mit ihrer Zustimmung innehat). 40) Ferdinands Zustimmung zur Verpfändung Znaims durch Maria, 1531 Februar 28 Linz: Kopien im HHStA Ungarn 343 fol. 144 und im HKA Gedenk­buch 300 fol. 196 f. 41) Vertrag Marias mit Teickwitz, 1531 März 6 Linz: Kopie im HHStA Fa­milienakten 8, Papiers concernant les affaires de la reine Marie, fol. 10 ff. Sie versprach Ferdinand, Znaim so bald wie möglich wieder auszulösen (Revers Marias für Ferdinand, 1531 März 7 Linz: Kopie ebenda fol. 16 f), ersucht aber Ferdinand, dieses Versprechen geheimzuhalten, da es gegen den Vertrag mit Teickwitz verstieß, der eine fünfjährige Laufzeit vorsah (Maria an Ferdinand, 1531 März 8 Linz, ed. Wolfram — Thomas Korrespondenz 3 57). 42) Maria an Ferdinand, 1531 März 8 Linz, ed. Wolfram — Thomas Korrespondenz 3 57 f. 43) Ferdinand an Maria, 1531 März 10 Budweis, ed. ebenda 59 ff. 44) Maria an Ferdinand, 1531 Mai 5 Gent, ed. ebenda 120 ff. Maria hatte das Geld bereits von Nürnberg geliehen (ebenda). Ferdinand unterstützte die

Next

/
Thumbnails
Contents