Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger

THOMAS, Christiane: Acta Extera Caroli V. Geschichte eines gescheiterten Archivunternehmens

408 Christiane Thomas Auch für ein einheitliches Schema bei der Anlage der Abschriften wurde gesorgt. Da der Gebrauch der Schreibmaschine nicht obligatorisch war, war mit einer bunten Viel­falt von mehr oder minder sorgfältig handgeschriebenen Blättern zu rechnen. Es wurde nie in Erwägung gezogen, ein maschinschriftliches Reinkonzept anzufertigen, das bestimmt die Kosten erhöhen würde. Man konnte damals auch sicher sein, daß die Druckerei gewohnt war, schwer Lesbares zu setzen. Zumindest fiel keine Äußerung hinsichtlich eventuell drohender Autorenkorrekturen. Diese Zuversicht wurde auch nicht enttäuscht: Der von der Firma Jasper vorgelegte Probebogen81) weist erstaunlich wenig Fehler auf. Parallel zur Kartei der Stückzettel wurde ein Katalog von „Kopienzetteln“ aufgebaut, sodaß das Verhältnis von schon abgeschriebenen zu noch abzuschreibenden Dokumen­ten jederzeit erkennbar war. Auf diesen Karteikärtchen82) sollten alle zur Bestimmung notwendigen Kriterien, der Name des Kopisten, vor allem aber die durch die verschie­den gebrauchten Jahresanfänge bedingten Datumskorrekturen verzeichnet werden83). Damit waren die organisatorischen Grundlagen gegeben, um von rund 1800 Korrespondenzstücken aus dem Zeitraum 28. Juni 1519 bis 31. Dezember 152584) den ersten Teil bis Juli 1521 druckfertig zu gestalten. Obwohl mit Ausnahme von Emanuel Schwab alle Archivare des Hauses mitwirken woll­ten85), suchte man sich der Mitarbeit außenstehender Gelehrter zu versi­chern, stets darauf bedacht, die Zahl aller Beteiligten einschließlich der Kommissionsmitglieder nicht über 20 anwachsen zu lassen86). Interessanter­weise lehnten nur Emil Ottenthal und Oswald Redlich, die beide der Kom­mission angehörten, das Angebot ab87). Für beide mag weder die Thematik, noch auch die finanzielle Entschädigung anziehend gewesen sein, die hinge­gen Gustav Winter, ehemaliger Archivdirektor, als eine im Vergleich mit der leichten Arbeit „ungeheure Summe“ bezeichnete88). Der Kreis der Fachleute umfaßte unter anderen Wilhelm Bauer, dessen Veröffentlichung der ferdi- nandeischen Familienkorrespondenz für die Textgestaltung maßgebend sein sollte89), Viktor Bibi, Heinrich Kretschmayr, der sich speziell für fremdspra­chige Texte bereithalten wollte, Theodor Mayer, Alfred Francis Pribram, Wil­helm Englmann, Direktor der städtischen Sammlungen, und Gustav Winter. Die prompten Zusagen, die noch vor dem Stichtag des 15. September eintra­fen90), zwangen Mayr, ohne Zeitverlust 300 Schriftstücke - die Beilagen wa­ren in dieser Zählung nicht mit einbegriffen — in 14 Gruppen aufzufächern, d. h. sechs Sprachen voneinander zu trennen und mit einem nächsten Auf­gliederungsgang innerhalb der Sprache nach Schreiberhänden zu unterschei­81) Siehe oben S. 402. 82) Heute noch vorhanden. 83) ZI. 1070/1921. 84) Ad ZI. 1515/1921. 85) ZI. 1053/1921. 86) Ad ZI. 100/1921: Protokoll von 1921 Januar 14. 87) ZI. 1053/1921. - Über die Haltung Redlichs als Präsident der Akademie der Wissenschaften gegenüber dem gefährdeten Unternehmen siehe unten S. 418 f. 8S) Ad ZI. 1455/1921. - Über Gustav Winter siehe Hüter Biographien 157-161. ") ZI. 1070/1921. 90) ZI. 1053/1921.

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