Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger

THOMAS, Christiane: Acta Extera Caroli V. Geschichte eines gescheiterten Archivunternehmens

394 Christiane Thomas res historisches Material, welches bisher von der Wiener Akademie nicht be­arbeitet worden sei, jetzt aber von Deutschland durch ein Abkommen mit der Wiener Akademie der Wissenschaft und der Historischen Kommission in Wien in Angriff genommen werden könne“, doch ließ sich kein Schriftwech­sel eruieren (wenn auch zugegeben wurde, daß die damalige Institutsleitung anscheinend viele Agenden durch mündliche Abmachungen geregelt habe), geschweige fand sich auch nur der geringste Rest von Wiener Vorarbeiten11). Immerhin waren zwei auffällige Details festzuhalten: Trotz der eigenartigen Wendung über eine Mitarbeiterschaft der Akademie12) klang es in Verbin­dung mit Editionsplänen zu Karl V. ganz danach, als verbärgen sich hinter dem „historischen Material“ die Acta Extera, die somit bis Ende 1930 nach­weisbar wären. Ungenaue Ausdrucksweise deutete möglicherweise doch auf verlorene Schätze. Und zweitens: Wenn „mündliche Abmachungen“ in der Geschäftsgebarung des Instituts eine solche Rolle spielten, warum sollte dann nicht auch Bittner mit seinem quellenmäßig nicht belegten Satz für die Regelung von 1928 eine mündliche Absprache meinen? Hier läge nicht nur die Erklärung für ein fehlendes Aktenzitat, sondern auch dafür, daß in kei­ner einzigen die Agenden des Archivs betreffenden Aktenreihe das Schlag­wort „Acta Extera“ für 1928 auf tauchte13). Um die Vermutung der Konstanzer Karlsforschung, Wien hätte wahrschein­lich nie seinen Besitz aus der Hand gegeben, zu entkräften, stand noch ein Hilfsmittel zur Verfügung: ehemalige, noch lebende Archivare des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, die 1928 bereits angestellt waren, zu befragen. Wie­derum war das Resultat ein Fehlschlag, denn weder Univ.-Prof. Dr. Franz Hüter, noch Dr. Robert Lacroix, dessen Band der Ferdinandeischen Fami­lienkorrespondenz erst durch das Arrangement mit dem Kais er-Wilhelm-In­stitut finanziell gesichert worden war14), waren die Acta Extera bekannt15). u) Univ.-Prof. Dr. Rudolf Vierhaus, Direktor am Max-Planck-Institut für Ge­schichte Göttingen, an die Leitung des Konstanzer Projekts von 1972 November 23 und Dezember 12 und 1973 Januar 15. Die Verfasserin ist Absender und Adressaten für deren Bemühungen und die Genehmigung zur Zitierung der Korrespondenz zu Dank verpflichtet. Xeroxkopien der angeführten Briefe im Besitz der Verfasserin. - Die Erwähnung der Historischen Kommission deutet auf die später tatsächlich erfolgte Veröffentlichung der ferdinandeischen Familienkorrespondenz hin. 12) Zweifellos wird hier auf die Versuche im Jahre 1924 angespielt, die Unterstüt­zung der Akademie zu gewinnen: siehe unten Kap. VIII. Der Sitzungsbericht macht klar, daß bis Ende 1930 von einer solchen Hilfe keine Rede war. 13) Im Haus-, Hof- und Staatsarchiv wurden ergebnislos überprüft: Abteilung 13 Li Protokoll 1924—1938, Abteilung 13 Li und 20 Li Namens- und Ortsverzeichnis 1924-1938, Archivreferat Sachindex 1928-1938 (jeweils für das Jahr 1928), KA-Son- derreihe 2/5 (Reichsregister Karls V.) und die Nachlässe Ludwig Bittner, Lothar Groß und Josef Karl Mayr. - Frau Dr. Isabella Ackerl danke ich für die zeitraubende Suche — die ebenfalls kein Resultat brachte — in folgenden Beständen des Allgemeinen Ver­waltungsarchivs Wien: Nachlässe Seidl und Stritzko, Bundeskanzleramt — Inneres (Korrespondenz und Signatur Archiv), Bundeskanzleramt — Seipel Korrespondenz, Staatskanzlei. 14) Siehe oben S. 391.

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