Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger
THOMAS, Christiane: Acta Extera Caroli V. Geschichte eines gescheiterten Archivunternehmens
Acta Extera Caroli V. 393 keit, an deren Statt die Originale aus den Kartons der frühen Staatenabteilungen und der Belgica heranzuziehen, nicht erforderlich. Und doch wurde hier etwas versäumt: Eine Überprüfung des Benützeraktes von Helbling hätte stutzig gemacht, da der Fabri-Biograph sowohl einzelne mit Nummern versehene Stücke als auch ganze Kartons der Acta Extera nach dem Verhandlungsabschluß vom 20. März 1928 benützt hatte9)! Abgesehen davon, daß zwei verschiedene Bezeichnungen einen vagen, aber doch entscheidenden Hinweis auf eine Zweiteilung des Komplexes hätten geben können, hätte Helblings Benützerbogen klargestellt, daß Bittners Terminus „zur Verfügung gestellt“ nicht mit „abgetreten“ gleichzusetzen war, bzw. daß zumindest bis Ende September 1928 keine Übergabe an das Kaiser-Wilhelm-Institut stattgefunden hatte. Diese „Unterlassungssünde“ stützte daher nur die feste Überzeugung, daß diese Materialien überall anders, nur nicht im Wiener Archiv zu suchen wären. In das Bedauern darüber, daß eine schwungvoll begonnene Arbeit nicht zu einem Abschluß gelangt war, mischte sich die Genugtuung, daß die Mühe der Staatsarchivare Brandis detaillierten Verzeichnissen zur Überlieferung der Akten Karls im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien zugute gekommen war10). Aus der Ruhe des (angeblich) gesicherten Wissens schreckte man auf, als die Mitarbeiter des Projekts zur Erschließung der diplomatischen Korrespondenz Karls V. an der Universität Konstanz bei ihren Wiener Archivstudien gesprächsweise von der Existenz der Acta Extera hörten und ihr Interesse dafür anmeldeten, staunendes Interesse deshalb, weil ihnen zwar der wissenschaftliche Nachlaß Brandis bekannt, in dessen Rahmen aber nie das Wiener Kontingent untergekommen war. Die Überraschung auf Wiener Seite war nicht geringer: Jetzt erst wurden die Acta Extera zum Problem, das es zu lösen galt. Die Frage lautete kurz und bündig: Wo hatte man zu suchen, wenn weder bei dem einen Vertragspartner, nämlich Wien, noch bei dem wissenschaftlichen Vertreter des anderen, nämlich Brandi, die fragliche Abschriftenkollektion zu finden war? Allein zielführend schien es zu sein, durch Konstanzer Vermittlung mit dem Rechtsnachfolger des Kaiser-Wilhelm-Instituts, dem Max-Planck-Institut für Geschichte, in Verbindung zu treten, denn von der Aktensonderreihe der Kurrentakten des Haus-, Hof- und Staatsarchivs zu den Acta Extera, die nur bis inklusive 1924 reichte, und Bittners Ausführungen über das Wiener Archiv in der Nachkriegszeit, die 1925 erschienen waren, waren keine Auskünfte über das kritische Jahr 1928 zu erwarten. Doch das Ergebnis war enttäuschend: Der Sitzungsbericht des Kuratoriums des Kaiser-Wilhelm-Instituts vom 23. Dezember 1930 sprach zwar — in Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Korrespondenzen Karls V. und Ferdinands I. - über „weite9) KA-Benützerakten ZI. 2255/1928: Anwesenheit Helblings von 1928 August 17 bis September 26. Ausgehoben wurden u. a. die Nummern 298, 304, 322 und 337 und die Kartons 11-24. 10) Gesammelt in Berichte und Studien 1 (wie Anm. 5).