Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger
THOMAS, Christiane: Acta Extera Caroli V. Geschichte eines gescheiterten Archivunternehmens
392 Christiane Thomas Aufschrift Acta Extera deponiert und mit kleinen blauen, in Reihen geordneten Zetteln gefüllt waren. In der Mehrzahl zeigten sie Namen und Begriffe, die wohl in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts paßten, doch statt einer erhofften Archivsignatur durch ein Datum oberhalb einer Bruchzahl charakterisiert waren, wie z. B.: Franzosen-Kriegskosten der Eidgenossen gegen sie . 21 V 28, Leo_ 16 Österreich, Haus-Beziehungen zu Zürich Papst Leo X. - Beziehungen zu Karl V. 21 V 25, Sutor 3 21 VII 11, Sitten 2,3 Lag hier ein nach einem zunächst nicht ersichtlichen System aufgebauter Schlagwortkatalog vor - viel später sollte sich diese Vermutung als zutreffend erweisen —, der der Auslieferung entgangen war? Selbstverständlich erklärte der jeweilige Besteller verblüfft, damit nichts anfangen zu können. Die Auskunft des Gesamtinventars mußte ihn zufriedenstellen. Dem Archivangestellten stand noch die Möglichkeit offen, sich mit Hilfe des 28. Bandes des sogenannten Generalkatalogs (= Archivbehelf 25), des Verzeichnisses der gesamten Archivaufstellung für die Jahrzehnte vor dem Zweiten Weltkrieg7), über den Umfang des Abschriftenbestandes zu informieren, denn hier wurden 54 Kartons, eine Mappe und mehrere Handschriften Acta Extera als „Apparat desselben“ (!) angeführt. Daß diese nicht unbeträchtliche Masse nicht mehr im VI. Geschoß Stellage b-e aufgestellt war, wo heute Teile des Habsburg-Lothringischen Familienarchivs, nämlich das Archiv Carnea, die Langakten und der Nachlaß Ludwig Salvator, untergebracht sind, besagte unter Berücksichtigung der totalen Umstellung aller Archivkörper nach dem Zweiten Weltkrieg, die stärker die Reihung des Gesamtinventars beobachtete, gar nichts. Doch hätte man bei Vorhandensein eventuell einen Verweis auf ein geändertes Lókat erwarten dürfen. Ausschlaggebend für das vielleicht nicht ganz berechtigte Desinteresse blieb das Faktum, daß eine so umfangreiche Kopiensammlung nicht spurlos im Archivdepot verschwunden sein konnte: Die für die Deponierung notwendige Regallänge mußte irgendwann auffallen. Die Bittnersche Formulierung beeinflußte auch die Einstellung der Verfasserin, als ein amerikanischer Gelehrter schriftlich ersuchte, für seine Studien über Bischof Johann Fabri von Wien unter anderem auch „Acta Extera 11—24“ vorzubereiten, und sich hiebei auf ein Zitat Leo Helblings berief8). Da jener Forscher aber nie im Archiv erschien, waren lange Erklärungen über die Abtretung von Abschriften und die Notwendig*) Übersicht der Archivbehelfe (Repertorien) in Gesamtinventar 1 174. 8) KA ZI. 5940/1972: Reverend Edward K. Burger SJ ging es um die Religionspolitik Ferdinands I. 1523-1541, im speziellen um die Rolle Fabris in Hinblick auf die Wiedertäufer. — Leo Helbling Dr. Johann Fabri, Generalvikar von Konstanz und Bischof von Wien 1478-1541 (Reformationsgeschichtliche Studien und Texte 67/68, Münster i. Westfalen 1941) 6.