Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)
SAUER, Manfred: Zur Reform der österreichischen Levante-Konsulate im Vormärz
Levante-Konsulate im Vormärz 211 Wenn auch das Hauptamt 1819 nach Alexandria verlegt worden war und damit der Cottimo direkt vom Generalkonsul eingehoben wurde, erwies sich die Erhaltung des Amtes in Kairo als notwendig; der Vizekonsul und sein untergeordnetes Personal erhielten daher ihre Bezahlung aus den Einkünften des Generalkonsulates. Der Wechsel der Amtssitze war dadurch bedingt, daß sich unter der Herrschaft Mehmed Alis der Schwerpunkt des Wirtschaftslebens und der Politik nach Alexandria verlagert hatte. Dafür waren mehrere Gründe ausschlaggebend: Der Vizekönig war Ende 1815 in Kairo durch eine Militärrevolte schwer gefährdet worden und hielt sich seither einen Großteil des Jahres in der Hafenstadt auf; da Mehmed Ali Monopole für Ein- und Ausfuhr errichtete, ging der Handel der Europäer im Landesinneren stark zurück; nach dem Eingreifen der Ägypter auf dem Kriegsschauplatz in Griechenland liefen zahlreiche österreichische Schiffe Alexandria an und verdingten sich für Truppen- und Nachschubtransporte. Da aber der Großteil der Behörden weiterhin in Kairo seinen Sitz hatte, mußte auch eine entsprechende konsularische Vertretung in der Hauptstadt beibehalten werden. Als österreichischer Generalkonsul in Kairo residierte seit 1792 Carlo di Rosetti, ein in Ägypten ansässiger Venezianer, während das Amt in Alexandria etwa ab 1810 Anton Godard bekleidete. Nach dem Tod von Godard wurde 1817 Franz Champion, ein gebürtiger Triestiner, zum Vizekonsul bestellt54). Ein Jahr darauf erwies sich Rosetti, hochbetagt und durch einen Schlaganfall gelähmt, als unfähig, die Geschäfte weiter zu führen. Sein übel beleumundeter Kompagnon und seine beiden Neffen Hannibal und Carlo di Rosetti hatten zu diesem Zeitpunkt die Amtsleitung an sich gerissen und versuchten, beim Internuntius und bei Metternich die Ernennung von Hannibal di Rosetti zum Generalkonsul zu erreichen. Auch Peter Jussuf, der Agent Mehmed Alis in Triest, setzte sich für diesen Kandidaten ein, dessen Ernennung jedoch nach polizeilichen Erhebungen nicht in Frage kam 55). Da aber eine Neubesetzung des Generalkonsulates dringend erforderlich schien, ernannte der Internuntius Lützow Anfang 1819 Georg Cavacco zum provisorischen Generalkonsul, eine Maßnahme, der auch die Staatskanzlei nachträglich zustimmte56). Rosetti erhob gegen seine zwangsweise Pensionierung Einspruch, die beiden Neffen versuchten, den Amtsantritt von Cavacco zu verhindern, indem sie eine „Österreichische Nationalversammlung“ einberiefen, die eine Anerkennung des Generalkonsuls von der Zustimmung Mehmed Alis abhängig erklärte. Anfang 1820 konnte Cavacco nach dem Tod Rosettis sein 54) HKA Kommerz 17 1817/109, November. 55) HHStA Türkei VII 13: Bericht 1818 Dezember 10; VII 14: Bericht 1819 Juli 26 und August 10; VII 31: Weisung 1819 Juli 2, August 3 und August 17; Ägypten: Spiegelfeld an Stahl, 1819 Juni 24. 56) HHStA Türkei VII 14: Bericht 1819 März 10; VII 31: Weisung 1819 November 16; VII 32: Weisung 1820 Jänner 14. 14*