Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

SAUER, Manfred: Zur Reform der österreichischen Levante-Konsulate im Vormärz

212 Manfred Sauer Amt antreten, da der Internuntius für ihn in der Zwischenzeit auch die Zustimmung der Pforte erlangt hatte; Carlo di Rosetti versuchte noch rasch, die Einkünfte des Vizekonsulates Alexandria einzuziehen, jedoch konnte Champion dies verhindern 57 58). Mit der Person Cavaccos hatte Lützow allerdings auch keine günstige Wahl getroffen, da der Generalkonsul 1807 in Triest den Bankrott er­klärt hatte und nur durch Unterstützung von Freunden einem Betrugs­prozeß entgangen war 5S). Während seiner Dienstzeit in Ägypten erwarb er den Ruf eines Hasardspielers und Spekulanten, der ständig verschuldet war59); auch seine Amtsführung gab zu herber Kritik Anlaß, obwohl sich nicht alle Vorwürfe als begründet erwiesen. Mit Sicherheit kann aber angenommen werden, daß der Generalkonsul gegenüber Mehmed Ali keine starke Position einnahm, da er wegen seiner Handels- und Geld­transaktionen vom Vizekönig abhängig war. Cavacco wurde mit kaiser­licher Entschließung vom 13. Juni 1825, durch die Acerbi und Questieux ernannt wurden, abgesetzt und eine Untersuchung seiner Amtsführung angeordnet60). Diese Überprüfung schleppte sich jahrelang hin, schließ­lich gelangten Acerbi und der Internuntius zu der Ansicht, daß Cavacco zwar Fehler bei der Amtsführung unterlaufen seien, er sich jedoch keiner Vergehen schuldig gemacht habe, die eine strafrechtliche Verfolgung ge­rechtfertigt hätten 61). Vom inneren Aufbau her stellte der Konsularbezirk Ägypten unter Ca­vacco einen der wohlgeordnetsten der österreichischen Konsularsprengel in der Levante zu jener Zeit dar. Der Internuntius bezog beinahe ein Drittel seiner Einkünfte aus dem Cottimo vom Generalkonsulat Alexan­dria, dennoch waren die Ämter in Ägypten ausreichend mit qualifizier­tem und entsprechend besoldetem Personal besetzt. Unter Cavacco wurde auch der Wechsel der Amtssitze zwischen Generalkonsulat und Vizekon­sulat vorgenommen, die bis dahin übliche Aufteilung der Einnahmen aber beibehalten: Nach Abzug aller Spesen, auch jener von Damiette und Ro­sette, wurden die Nettoeinkünfte zwischen dem Internuntius, dem Gene­ralkonsul und dem Vizekonsul im Verhältnis 3:3:2 geteilt; nach der Herabsetzung des Cottimo auf 1% erhielten Cavacco 60% und Champion 40% der Nettoeinnahmen 62). Mit der Einführung der Tonnagegebühr beim Dienstantritt Acerbis im August 1826 gingen die Einkünfte stark zurück, der Generalkonsul ver­si) HHStA Türkei VII 15: Bericht 1820 Jänner 25, August 20, Dezember 27; Ägypten: Bericht Lützows 1819 Dezember 10. 58) FA Präs. 1823/2858; HKA Kommerz 17 1824/80, Februar. 5») FA Präs. 1824/1336. so) HHStA Türkei VII 32: Weisung 1825 Juli 19. 61) HHStA Türkei VII 27: Bericht 1829 Februar 10. 62) FA Kommerz 17 1834/100, Mai.

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