Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)
MIKOLETZKY, Lorenz: Vom Kaiserspital zum Klein-Mariazellerhof. 125 Jahre Hofkammerarchivgebäude
428 Lorenz Mikoletzky tur der neuen Zentralbehörde erwachsen ist3). Durch die Person des Herrschers ist in der Folge eine Verbindung zwischen Archivgründung und erster Archivunterbringung gegeben. Eintragungen im Protokoll der niederösterreichischen Kammer zum 11. und 12. Dezember 1578 besagen, daß Maximilian von Mainnig und David Hagen beauftragt werden, die „gwelber und gemäch im kais. hofspital alhie, darein die acta [der Hofkammer] transferieret“ zu besichtigen. Diese „Übertragung“, die mit einer auch räumlichen Scheidung in eine alte, tote und eine auch weiterhin im Kammerhause verbleibende lebende Hofkammerregistratur verbunden war, führte dann im 18. Jahrhundert zu der Annahme, 1578 sei das Hofkammerarchiv „gegründet“ worden, eine Behauptung, die zutrifft, sofern man eben die räumliche Absonderung der alten Akten als entscheidend ansieht4). Das alte Hofspital zwischen Schauflergasse und Minoriten- platz blieb nun die Heimstatt der „alten Hofkammerregistratur“ oder — dieser Name taucht seit der Mitte des 18. Jahrhunderts auf — des „Hofkammerarchivs“, bis die theresianischen Verwaltungsreformen mit der Zuteilung des Camerale germanicum zum „Directorium in publicis et ca- meralibus“ auch einen Standortwechsel des Archivs der (jetzt auf ihre ungarischen Zuständigkeiten und das Reichscamerale zurückgedrängten) Hofkammer bedingten. Aus einem Bericht des Hofkammerregistrators Veit Michael Denk von etwa 1651 erfährt man, daß das Hofkammerarchiv damals bereits „4 grosse zimmer“ des alten Hofspitals füllte. 1660 kämpfte Denk um die „resti- tuirung“ eines seinem „vorfahrer“ weggenommenen Zimmers. Einige Jahrzehnte später veranlaßte ein gefährlicher Brand „bey dem landhaus und nachent dem kays. hoffspital“ (1707) bescheidene Feuerschutzvorkehrungen für das wertvolle Material. Bis 1718 wurden „zu besserer ver- sicher- und Verwahrung der alten hofcammerregistratur im kays. hoff- spitall alhier eisene fensterbalckhen und dergleichen thüren“ angebracht, was 433 fl. 6 kr. kostete. 1751 wurde das Archiv dem von Graf Friedrich Wilhelm Haugwitz zwei Jahre zuvor errichteten „Directorium in publicis et cameralibus“ unterstellt, vier Jahre später die „separation deren die teutsche erblande 8) Vgl. zur Geschichte des Archivs Johann Georg von Mühlfeld Geschichte des k. k. Hofkammer-Archivs von dem Zeitpunkt seiner Entstehung unter Kaiser Maximilian dem ersten bis zum Schluß des Jahres 1816: Hofkammerarchiv Wien (= HKA) Sammlung der Handschriften 23 fol. Iff; Friedrich Walter Das Wiener Hofkammerarchiv (Publikationen des österreichischen Staatsarchivs II. Ser. Inventare österreichischer Archive 7, Wien 1951) XV. 4) HKA Niederösterreichische Kammer Prot. 1578, Band 117 fol. 414 und 422. — Auch heute noch kennt das Finanz- und Hofkammerarchiv die Trennung zwischen totem und lebendem Archivbestand. Das Hofkammerarchiv (Johannesgasse 6) endet in den meisten Abteilungen mit dem Jahr 1848, während das Finanzarchiv (Himmelpfortgasse 8) bis in die unmittelbare Gegenwart geführt wird. Die beiden Archivkörper stehen jedoch unter einer Direktion.