Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)

MIKOLETZKY, Lorenz: Vom Kaiserspital zum Klein-Mariazellerhof. 125 Jahre Hofkammerarchivgebäude

Hofkammerarchivgebäude 429 betreffenden cameralacten von denen jenigen, so das Reichscamerale, das Hungaricum, wie auch das münz- und bergweesen angehen“ und ihre „Übertragung“ in das Direktorialgebäude (Wipplingerstraße-Judenplatz) angeordnet5 6). Sechzehn Jahre nach der Aufhebung des Directoriums 1761 erfolgte die Rücksiedlung der Akten in das Kaiserspital (1777). Aber das alte Gebäude blieb durch verschiedene An- und Zubauten, trotz der er­wähnten Brandsicherung, sehr gefährdet: „Unter sich ist eine kays. be­setzte stallung; vorwärts der länge nach die wagenschuppen aus holz, die bis an die archivfenster reicht; rückwärts holzhütten und dünghaufen; auf der Seite rechts und links mit Wohnungen und küchen umgeben“. Die im Herbst 1807 für den 1777 bezogenen großen Archivsaal angeschafften eisernen Fensterläden, in deren Bewilligung sich die Feuerschutzmaß­nahmen auch schon erschöpften, boten in solcher Umgebung natürlich nicht die Sicherheit, deren das Archiv in dieser so bewegten Zeit bedurft hätte. Aber abgesehen von der Feuersgefahr: das alte Kaiserspital genügte räumlich längst nicht mehr den Anforderungen. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte man mit dem Gedanken gespielt, das Archiv überhaupt aufzulösen, kam aber dann doch von dieser, im ver­knöcherten Bürokratismus jener Tage verwurzelten Idee ab. 1817 schil­derte Direktor Johann Georg Megerle von Mühlfeld seine Sorgen: „Obwohl das k. k. hofkammerarchiv, welches nun schon durch volle 40 jahre in dem sogenannten alten kaiserspitalsgebäude am Ballplatze untergebracht ist, zur aufstellung seiner durch volle drey jahrhunderte fortlaufenden aktén einen die ganze länge des platzes einnehmenden, beinahe 27 klafter langen saal, ausserdem aber noch für einen jeweiligen director ein kleines, dann für das angestellte personale ein grosses arbeitszimmer und nebstdem noch ein Vor­zimmer für die dienerschaft besizet, so befand sich dasselbe doch schon, und zwar vorzüglich wegen der sich immer erneuernden materialzuflüsse zu wie- derhohlten malen in grosser Verlegenheit“ «). Nun wurde der Raum, in dem „13 individuen“ arbeiteten, durch das neuerbaute Modena-Palais in der Herrengasse auch noch „seiner vorzüg­lichsten lichte“ beraubt — die Verhältnisse wurden immer schwieriger, immer unleidlicher. Man mußte nun daran denken, für das Hofkammer­archiv ein eigenes Gebäude zu errichten 7). Der Häuserblock Kärtnerstraße—Johannesgasse—Seilerstätte—Anna­gasse befand sich im 17. und 18. Jahrhundert fast gänzlich in kirchlichem Besitz. Das Kloster St. Ursula, der Johanniter-Ritterorden und die Jesui­ten waren die Eigentümer. In der Mitte dieses Komplexes lagen zwei 5) Es handelt sich hier um die alte „Böhmische Hofkanzlei“, die 1749 auf­gelöst wurde. — Vgl. G r o n e r Wien 235. 6) Walter Goldinger Geschichte des österreichischen Archivwesens (MÖStA Erg. 5, 1957) 22. — Megerle rechnet die 40 Jahre seit der Aktenrück­stellung von 1777. 7) Walter Hofkammerarchiv XV ff. — Das Modena-Palais beherbergt heute das Innenministerium. Vgl. G r o n e r Wien 383.

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