Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)

BENNA, Anna Hedwig: Zum AEIOV Friedrichs III. Auslegungen des 15. Jahrhunderts

Zum AEIOV Friedrichs III. 423 Eine Reihe weiterer Interpretationen der Fünfvokale knüpft an die Erhebung Friedrichs zum römischen König und zum römischen Kaiser an. So etwa n. 3, die dem mittelalterlichen Gottesgnadentum des Königs ent­spricht, n. 4, den universalen Herrschaftsanspruch des mittelalterlichen Kaisertums des aus dem Hause Österreich Erwählten anzeigend42). Die Auslegung 2 kommt in etwas abweichender Form als „Aquila eius iuste omnia vincet“ als Interpretation der Fünfvokale auf Schriftbändern über den goldenen Majuskelbuchstaben auf dem sogenannten Burgundischen Hofbecher, einer aus dem dritten Viertel des 15. Jahrhunderts stammen­den Arbeit aus den Niederlanden, vor43). Etwas jünger dürfte die in Form eines Akrostichons gegebene Interpretation der Fünfvokale „Aquila electa iustitia omnia vincet“ im Gedicht des 1485 zum poeta laureatus ge­krönten Paulus Amaltheus über den zweiköpfigen Adler des Kaisers sein44), die mit Auslegung 2 übereinstimmt. Der Adler galt seit dem Hochmittelalter als das Symbol des Kaisertums schlechthin45). Zur Zeit Konrads II. diente der Adler als Bekrönung des Szepters46). Er wurde den Kaisern des Hochmittelalters, vor allem Friedrich II., als Feldzeichen, als „victrix aquila“, vorgetragen47). Adler kamen häufig als Stoffmuster auf Herrschergewändern des Hoch- und Spätmittelalters vor 48 * *). Auf den Kaisersiegeln Ludwigs des Bayern und Sigmunds flankierten sie den Die Doppelregierung Friedrichs III. und Maximilians in den Jahren 1486—1493. Ein politisch-historisches Generationenproblem in Aus Reichstagsakten des 15. und 16. Jahrhunderts (Göttingen 1958) 291, 298 ff. 42) Ad n. 3 vgl. Ps. 86, 5 („... et ipse fundavit eam Altissimus“). — Ad n. 4 vgl. die bei Caspar Bruschius Chronicon de variis monasteriis et episcopati­bus (österreichische Nationalbibliothek Hs. n. 8869 fol. 131 r) überlieferte Aus­legung: „Aquila electa imperat orbi universo“. Zu Brusch (gest. 1559) vgl. Al- phons Lhotsky österreichische Historiographie (Wien 1962) 105. 43) Lhotsky in JbKS NF 13 75, 79 Abb. 75; Kunsthistorisches Museum. Katalog der Sammlung für Plastik und Kunstgewerbe 1. Teil: Mittelalter (Wien 1964) 34 n. 37, Tafel 37. 44) Anton von Zingerle Beiträge zur Geschichte der Philologie I: De carminibus Latinis seculi XV et XVI ineditis (Innsbruck 1880) 7f n. 3; Lhotsky Aufsätze und Vorträge 2 184. 45) Vgl. Josef H ü r b i n Der „Libellus de Caesarea Monarchia“ von Peter Hermann aus Andlau in ZRG GA 13 (1892) 203: „... imperii nobilissima armorum insigne aquila semper fuit.. 46) Eduard Eichmann Die Kaiserkrönung im Abendland 2 (Würzburg 1942) 123; K i 11 e 1 Siegel 236. 47) Percy E. Schramm Sphaira, Globus, Reichsapfel. Wanderung und Wandlung eines Herrschaftszeichens von Caesar bis zu Elisabeth II. Ein Beitrag zum „Nachleben“ der Antike (Stuttgart 1958) 84; dbe Herrschaftszeichen und Staatssymbolik. Beiträge zu ihrer Geschichte vom dritten bis zum sechzehnten Jahrhundert (MGH Schriften 13/3, Stuttgart 1956) 896 f. 48) Eichmann Kaiserkrönung 2 123; Percy E. Schramm - Florentine Mütherich Denkmale der deutschen Könige und Kaiser. Ein Beitrag zur Herrschergeschichte bis Friedrich II. 768—1250 (München 1962) 48, 59 f.

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