Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)

BENNA, Anna Hedwig: Zum AEIOV Friedrichs III. Auslegungen des 15. Jahrhunderts

424 Anna Hedwig Benna Thron49). Friedrich III. wurde der Adler durch den Herold vorangetra­gen 50). Auslegung 7, die man zu Auslegung 4 als deren Erfüllung setzen könnte, gehört zu drei schon aus dem Notizbuch Friedrichs III. bekannten Interpretationen der Fünfvokale. Allerdings wurde die ebenso wie Ausle­gung 7 verbreitete und ihr entsprechende, im Notizbuch des Kaisers vor­kommende Interpretation „Austrie est imperare orbi universo“ 61), nicht in die Sammlung in Hs. Bl. 658 aufgenommen. Der theoretische Anspruch des spätmittelalterlichen Kaisertums auf Weltherrschaft findet seinen Aus­druck in der Sentenz „Als ertrich ist Österreich unthertan“ und dessen la­teinischer Entsprechung „Austrie est imperare orbi universo“. Er wird be­zogen auf das Haus Österreich* 52), dem dieser Anspruch bzw. diese Aufga­be aus dem „imperare“, d. h. dem Kaisersein 53) Friedrichs III., zufiel. Daß in den Vierziger- und Fünfziger]ahren des 15. Jahrhunderts neben dem Selbstverständnis des Hauses Habsburg als Haus Österreich ein über dem Landesbewußtsein stehendes österreichisches Selbstverständnis lebendig war, zeigt ein Feldruf „Hye Österreich an end“ 54), der in gekürzter Form „An End“ auf dem 1454 von Hans Sewer geschaffenen, am Milser Tor in Hall in Tirol befestigten Wappenstein mit dem österreichischen Binden­schild vorkommt55). Die Zusammenstellung von Interpretationen der Fünfvokale in Hs. Bl. 658 beschränkte sich nicht darauf, die der Stellung Friedrichs III. als römischen Königs und römischen Kaisers entsprechenden Auslegungen «) Kittel Siegel 215, 238, Abb. 134. so) Deutsche Reichstagsakten 16 (Gotha 1921) 197 n. 109; Albert Huys- k e n s Die Krönung König Maximilians I. in Aachen 1486 nach einem noch un­bekannten Frühdruck in Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 64/65 (1951/52) 92. si) L h o t s k y Aufsätze und Vorträge 2 174, 180, 221 n. 102. 52) Zu Haus Österreich als politischem Begriff im 15. Jahrhundert vgl. Alphons L h o t s k y Was heißt „Haus Österreich“ in Anzeiger der österreichi­schen Akademie der Wissenschaften 93 (1956) 169; Erich Zöllner Formen und Wandlungen des Österreichbegriffes in Historica. Hgg. von Hugo Hantsch, Eric Voeglin, Franco Valsecchi (Wien 1965) 68; Heinrich Koller Zur Bedeutung des Begriffes „Haus Österreich“ in MIÖG 78 (1970) 338, 341, 345 f. so) Belegstellen zu „imperare“ d. h. Kaisersein bei P i v e c in Festschrift Lentze 499 f, 502 f. — Zum Weltherrschaftsanspruch des spätmittelalterlichen Kaisertums vgl. Karla Eckermann Studien zur Geschichte des monarchi­schen Gedankens im 15. Jahrhundert (Abhandlungen zur mittleren und neue­ren Geschichte, Berlin 1933); Gerda Koller Das Kaisertum Friedrichs 111. in Österreich in Geschichte und Literatur 9 (1965) 523 ff. 54) Joseph von Zahn Kreidfeuer. Styriaca (Graz 1894) 87; Sutter in Festschrift Schütz 281; L h o t s k y Aufsätze und Vorträge 2 188. ss) Karl Mo es er und Fritz Dworschak Die große Münzreform unter Erzherzog Sigmund von Tirol (Wien 1936) 163, Tafel XXIII; Sutter in Fest­schrift Schütz 281; Pivec in Festschrift Lentze 501 Abb.; Lhotsky Aufsätze und Vorträge 2 188.

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