Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)
WACHA, Georg: Die Korrespondenz des Kremsmünsterer Abtes Alexander a Lacu mit den bayerischen Herzogen
198 Georg Wacha dem Problem der chiffrierten Briefe fast achtlos Vorbeigehen 120 121). Vielleicht wird aber dieser Hinweis dazu mithelfen, einen weiteren Schritt auf dem von Franz Stixm) vorgezeichneten Weg zu gehen: Diesem schwebt die Zusammenfassung des Geheimschriftenmaterials aller deutscher Kanzleien mit einer Methodenlehre der Geheimschriften vor. VII So hat die Auffindung des Briefwechsels zwischen Abt Alexander a Lacu und den bayerischen Herzogen zwar nicht die detailreiche Schilderung über die Verhältnisse in Ober Österreich in der Zeit der gerade erst von Landeshauptmann Löbl in kaiserlichem Auftrag eingeleiteten Gegenreformation gebracht, es haben sich nur Streiflichter auf politische Ereignisse, z. B. auf Kiesi und seine Kontaktsuche mit München, ergeben. Der Briefwechsel hat aber gezeigt, wie sich der bedeutendste Vertreter des Prälatenstandes im Land für seine hochfliegenden Pläne wegen Erlangung des Kardinalshutes die Unterstützung des einflußreichsten katholischen deutschen Fürsten sicherte, von der er sich wohl mehr Erfolg als von kaiserlicher bzw. erzherzoglicher Intervention erhoffte. Die Geschenke, die zwischen Kremsmünster und München hin und her gingen, zeigen die Freunde der Zeit an Jagd, an Pferden und Hunden, auch die hohe Schätzung des Kunstgewerbes (Schreibtisch). Für die in Arbeit befindliche kunsttopographische Erfassung der bedeutenden aber viel zu wenig beachteten Schätze des Benediktinerstiftes an der Krems könnte dies ein kleiner Beitrag sein. Da der bayerische Herzog wegen der von ihm sehr geförderten historischen Forschungen gelegentlich Bitten an den Kremsmünsterer Abt in dieser Richtung in die Briefe aufnahm, sind auch Hinweise auf dieses Gebiet möglich geworden, das ja in Österreich zur gleichen Zeit in Erzherzog Maximilian III. seinen besonderen Förderer hatte. Durch Erläuterung des Chiffrenschlüssels für geheimzuhaltende Teile der Korrespondenz zwischen Herzog Maximilian und Abt Alexander a Lacu — insbesondere in der streng vertraulich behandelten „salzsach“ — wurde ein Streiflicht auf das Kanzlei wesen vor dem Dreißigjährigen Krieg geworfen. Die für die Geschichte der Gegenreformation in öster120) Die neue Folge der Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges bringt für die Jahre 1626 und 1627 beispielsweise nur ein Schreiben „in besonderem Satz“, d. h. weist durch Kursivtexte auf chiffrierte Stellen hin, ohne daß ein Hinweis auf die Methode der Verschlüsselung gegeben wird; Walter Goetz Die Politik Maximilians I. von Baiern und seiner Verbündeten 1618—1651 2. Teil, 3 (Leipzig 1942) Vorwort VIII und 12 ff n. 5. Sonst ist nur beim Archivzitat der Hinweis auf die Chiffrierung zu finden. Vgl. auch 65 n. 42 a Anm. 1. 121) Franz Stix Geheimschriftenkunde als historische Hilfswissenschaft in MIÖG Erg. 14 (1939) 458 f.