Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)

WACHA, Georg: Die Korrespondenz des Kremsmünsterer Abtes Alexander a Lacu mit den bayerischen Herzogen

Alexander a Lacu 197 delt haben, das nicht nur Zahlen, sondern auch Zeichen verwendete. Hin­gewiesen sei auf ein ähnliches Beispiel in der gleichzeitigen Korrespon­denz Keplers, wo die Planetenzeichen auch auf irdische Dinge angewen­det werden, also Katholik, Kalvinist usw. heißenne). In der spärlichen Spezialliteratur zum Thema der Geheimschriften erwartete ich bei Rockin­ger t17) erschöpfenden Aufschluß, ja die Lösung aller Rätsel. Leider kennt er kein System, das dem oben beschriebenen gleicht. Am ähn­lichsten ist noch eine Chiffrierung durch Zahlen für alle Buchstaben: a = 16, b = 11, c = 31, d = 14, e = 22, f = 17, g = 27, h = 28 usw., doch ohne strenges System wie beim vorliegenden Beispiel (14, 24, 34, 44 usw., 17, 27, 37 usw.). Auch hier waren eigene Ziffemgruppen für Personen vor­gesehen, so für den Papst 99. Mehr als Kuriosum ist es anzusehen, daß Herzog Wilhelm von Bayern in einem sonst nicht verschlüsselten Schrei­ben seine Schwester Erzherzogin Maria als „14“ bezeichnet und von dieser „14“ ständig in der dritten Person spricht. Stieve hat in einer Anmerkung hinzugefügt: „Ob die Zahl aus einem Ziffernsystem entnommen oder etwa eine Anspielung auf die vierzehn Nothelfer ist, weiß ich nicht“ us). Durch einen Zufall stieß ich auf ein chiffriertes Stück aus der bayeri­schen Kanzlei, das erkennen läßt, daß in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts das System ziemlich gleich geblieben ist. Es handelt sich um ein verschlüsseltes und darüber dechiffriertes Schreiben des Herzogs Maximilian an Franz Christoph Khevenhüller, kaiserlichen Gesandten am spanischen Hofe, nach Madrid vom 14. Juli 1626 119). Die dortigen Texte ergeben folgenden Schlüssel: a = 4, b = 7, c = 12, d = 30, e = 16, f = 18, g = 33, h = 48, i = 2, k = 1, 1 = 8, m = 10, n = 36, o = 34, p = 55, q = 88, r = 59, s = 60, t = 77, u = 95 (?), w = 40, y = 30 (?), z = 13 oder 50. Es ist auch in der Anordnung nach den Ziffern kein System erkennbar: 1 = k, 2 = i, 4 = a, 7 = b, 8 = 1, 10 = m, 12 = c, 13 = z, 16 = e, 18 = f, 34 = o, 36 = n usw. Seltsam mutet es an, daß Doppelkonsonanten einen Strich über der betreffenden Zahl tragen (18 = ff, 88 = 11), daß Umlaute durch Punkte über den Ziffern gekennzeichnet werden (34 = ö). Für den König aus Spanien wird der Großbuchstabe C, für den König aus Frankreich D ver­wendet. Es ließen sich hier keineswegs ausführlichere Archivstudien für dieses Thema betreiben. Erstaunlich ist, daß die großen Aktenpublikationen an 116 * 118 116) Brief Friedrich Rüttels an Kepler nach Regensburg, Stuttgart 1613 Juli 25: Johannes Kepler Gesammelte Werke, hg. Max Caspar 17: Briefe 1612—1620 (München 1955) 70 n. 661. m) Ludwig von Rockinger Ueber Geheimschriftschlüssel der bayeri­schen Kanzlei im sechzehnten Jahrhundert (München 1891) 63. 118) Stieve Wittelsbacher Briefe VII 732/72 ff n. 326 und Anm. 5. 118) Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien Österreichische Akten, Oberöster­reich 4: 1596—1641.

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