Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)

HALLER, Brigitte: Kaiser Friedrich III. und die Stephanskrone

130 Brigitte Haller schon mit so viel Tradition beladen war, wurde die feierliche Proklama­tion der ungarischen Wahl nun gleichfalls für den vierten Fastensonntag angesetzt, der 1459 auf den 4. März fiel. Vier zeitgenössische Berichte erlauben es, den Hergang der Feierlichkeiten ungefähr zu rekonstruieren. Der wichtigste stammt von Nikolaus Lanckmann von Falkenstein, der als kaiserlicher Hofkaplan offenbar selbst an der Zeremonie teil­nahm l84). Weitere Schilderungen enthalten der Brief Ulesis’ vom 16. März 185), die sogenannte Anonyme Chronik 186) und Hermann Peters aus Andlau Libellus de Cesarea monarchia l87 *). Wir erfahren, daß man zum Erzbischof von Salzburg noch weitere Bischöfe und Äbte nach Wiener Neustadt lud, so daß schließlich zehn Kirchenfürsten im Bischofsornat18S) der Feier die klerikale Weihe verliehen. Schauplatz war die Liebfrauen­kirche, wo zahlreiche Mitglieder des Adels und sonstige Gäste versammelt waren. Friedrich hatte besonderen Wert darauf gelegt, daß auch die Kaiserin teilnahm, die ja in den nächsten Tagen ihr Kind erwartete. Das Hochamt wurde vom Salzburger Erzbischof zelebriert. Danach traten die ungarischen Gesandten vor, um die Wahlanzeige öffentlich vorzulesen. Ihr Antrag wurde darauf vom Kaiser feierlich angenommen — „cum solemni protestatione admissa et cum omni reverentia assumpta“ 189) — der somit „curam et gubernaculum regni suscepit“ 19°). Am selben Tag fand über­dies eine große Prozession mit allen Reliquien statt, der der Erzbischof von Salzburg voranschritt und an der die gesamte anwesende Geistlich­keit teilnahm. Auch in Wien gab es eine Prozession zu Ehren desselben Anlasses. So gestaltete sich der 4. März 1459 nach dem übereinstimmenden Be­richt unserer Gewährsleute. „Eine Krönung Friedrichs zum König von Ungarn aber läßt sich weder für diesen Tag, noch für die Folgezeit quel­lenmäßig nachweisen“, wie Hoffmann schon 1887 richtig erkannte 191), und doch wird eine solche Krönung bis heute immer wieder von der Litera­tur behauptet192). Das Mißverständnis lag natürlich auf der Hand: Der 184) p e z Scriptores 2 col. 605. Die ungarische Wahl und die Geburt Maxi­milians fügt er gleichsam als Epilog an den Bericht über Friedrichs Vermäh­lung und Kaiserkrönung. 185) ASM Archivio Visconteo Sforzesco PE-Alemagna 569. is«) Rerum Austriacarum Historia, hg. von R a u c h 38. isi) Hg. von Joseph H ü r b i n in ZRG GA 13 (1892) 181. i88) Ebenda 181; nach der Anonymen Chronik 38 waren es „als bei Zwelif- fen“. Vgl. auch Marcus Hansiz Germania Sacra 2: Archiepiscopatus Salis- burgensis (Augustae Vindelicorum 1729) 12, der seinen Bericht vielleicht aus Salzburger Traditionen nimmt und ebenfalls von zwölf Bischöfen spricht. i®«) Lanckmann bei P e z Scriptores 2 col. 605. 190) Hermann Peter aus Andlau (Hürbin 181). 191) Beziehungen 1458—1464 19. i»2) Vgl. u. a. Joseph Hormayr Österreichischer Plutarch 5 (Wien 1807) 37 f; Franz von Gretzmillern Geschichte Oesterreich’s 1 (Wien 1808) 366 f;

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