Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

POSCH, Fritz: Das Archivwesen der Länder und die Entstehung der österreichischen Landesarchive

54 Fritz Posch dert wurde. Schon seit Sommer 1811 sammelte er daneben für Erzherzog Johann die Geschichtsquellen der Steiermark für das neue Archiv und kam daher auch in erster Linie für die Besetzung der Archivarstelle in Betracht. Johann zog ihn daher auch dem Ende 1814 sich bewerbenden J. A. Kumar, dem Verfasser der Herbersteinmonographie, vor. Die Schwierigkeit bei Wartinger bestand jedoch darin, daß er im Dienste der Stände stand, weshalb Kalchberg schon damals (1816) für eine Zusammen­legung beider Archive eintrat. Durch eine Vorsprache beim Kaiser er­wirkte Johann die Genehmigung, daß dem ständischen Registrator und Archivar Wartinger auch die Archivgeschäfte des Joanneums übertragen wurden. Durch die dreifache Tätigkeit eines ständischen Archivars und Registrators und eines Joanneumsarchivars war Wartinger allerdings stark belastet, weshalb er sich um die Bestellung eines Kopisten bemühte, was ihm 1818 auch gelang. Damit war die äußere Entwicklung des sogenannten Joanneumsarchivs für Jahrzehnte abgeschlossen und der Rahmen geschaffen, innerhalb des­sen Wartingers Fleiß und Regsamkeit durch Sammlung und Ordnung des Archivgutes die Grundlagen für die steirische Landesgeschichtsforschung schufen. Er war auch der erste, der in zahlreichen Veröffentlichungen aus dem von ihm auf gebauten Archiv schöpfte 2). Auf Wartinger folgten nach dessen Pensionierung 1851 Eduard Prato- bevera, 1858 Dr. Karl Schmit v. Tavera bis 1860, bis schließlich 1861 Josef Georg Zahn die Leitung des Joanneumsarchivs übernahm, das in drei Zimmern des Landhauses untergebracht war. Es umfaßte damals bereits ungefähr 36.000 Stück Pergamenturkunden, 1200 Codices, 204 Adels­diplome und Wappenbriefe, 80 Kartons mit Urkundenkopien, viele tau­sende Akten, dazu noch eine große Menge von Stammbäumen, Siegeln, Wappen, Karten, Mappen, Büchern und Bildnissen. Darin sind schon die vom Historischen Verein gesammelten Bestände inbegriffen. Es war ein riesiges Material zustandegebracht worden, aber über der Aufgabe des Sammelns war man nicht zur Ordnung dieser Bestände gekommen. Das sollte dem neuen Joanneumsarchivar Zahn Vorbehalten sein 3). Das steiermärkische Landesmuseum Joanneum wurde nun das Vorbild für die meisten später errichteten Landesmuseen: 1817 erhielt die Ackerbaugesellschaft von Mähren vom Kaiser die Erlaub­nis, ein Landesmuseum für Mähren und Schlesien ins Leben zu rufen und dieses Franzensmuseum nennen zu dürfen. Vorbild war das Joanneum in Graz, sowohl in den geschichtlichen wie in den naturwissenschaftlichen Fächern, doch fehlte wie bei allen späteren Museen die Eigenschaft einer Unterrichtsanstalt, 2) Fritz Posch Erzherzog Johann und das steirische Archivwesen in Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 9 (1959) 16 ff. 3) Fritz Posch Josef (v.) Zahn und die Gründung des Steiermärkischen Landesarchivs in Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 18 (1968) 25 ff.

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