Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

POSCH, Fritz: Das Archivwesen der Länder und die Entstehung der österreichischen Landesarchive

Das Archivwesen der Länder 55 die beim Grazer Joanneum wesentlich war4). Auch das böhmische Landes­museum wurde nach dem Grazer Vorbild errichtet. Hier widmete Graf Kaspar Sternberg seine reichhaltigen Sammlungen und reiste 1814 nach Graz, um die Einrichtungen des Joanneums kennen zu lernen. Als Gründungsjahr gilt das Jahr 1818. Wie beim Joanneum wurde die ursprünglich nicht vorgesehene ge­schichtliche Abteilung an die erste Stelle gesetzt5 6). Hier entstand in der 1822 ins Leben getretenen „Gesellschaft des vaterländischen Museums in Böhmen“ auch der erste Musealverein Österreichs ®). 1823 folgte als Vereinsgründung das Tiroler Landesmuseum „Ferdinandeum“, das für Tirol dasselbe werden sollte, wie das Joanneum für die Steiermark. Hier wurde der dritten Abteilung die Geschichte und Statistik zugewiesen 7). Damals trug man sich auch in Kärnten und Krain mit dem Gedanken, nach dem Vorbild des Joanneums solche Grün­dungen durchzuführen. In Krain kam es nach Bestrebungen, die bis 1819 zurückreichen, 1826 zur Gründung des krainischen Landesmuseums, dem später auch ein Musealverein zur Seite trat8). In Oberösterreich begann die Museumsgründung 1833 bzw. 1834 mit der Gründung des „Vereins des vater­ländischen Museums für Österreich ob der Enns mit Inbegriff des Herzogthums Salzburg“, da Salzburg seit 1816 verwaltungsmäßig mit Oberösterreich verbun­den war9). Unter den vier Fächern stand an erster Stelle das geschichtliche und topographische, die ja ursprünglich allein vorgesehen waren. Der Grund zum Salzburger Museum wurde 1834 von Vinzenz Süß gelegt, der in diesem Jahr das städtische Zeughaus zu ordnen begann. Nach seinem Tode 1868 ging das Museum erst völlig in den Besitz der Stadt Salzburg über, das seinem Inhalt nach aber das ganze Land umfaßt10 *). Das Kärntner Landesmuseum fußt zum Teil auf den Sammlungen des Geschichtsvereins für Kärnten und des Naturwissenschaftlichen Vereins. Bereits 1820 gab es schon einen auf gearbei­teten Plan für ein Kärntner Landesmuseum nach dem Vorbild des Grazer Joanneums, der aber nicht verwirklicht wurde 41). 1857 kam es zur Gründung des Vorarlberger Landesmuseums in Bregenz, das ebenfalls ein Museums­verein ins Leben rief. Die niederösterreichischen Stände erwogen zwar 1821 den Gedanken, ein „Niederösterreichisches Nationalmuseum“ zu schaffen, gaben aber den Plan wieder auf, da sie der Meinung waren, es bestün­den in Wien genug Unterrichtsanstalten, Bibliotheken und Sammlungen und für die Zwecke der Landeskunde genüge die geplante Topographie 12). Die ältesten Landesmuseen waren in ihren geschichtlichen Abteilun­gen nach dem Vorbild des Joanneums die wesentlichsten Grundlagen für 4) Ignaz Zibermayr Die Gründung des ob er österreichischen Musealver­eines im Bilde der Geschichte des landeskundlichen Sammelwesens in Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereines 85 (1933) 123. s) Ebenda 124. 6) Berthold Bretholz Geschichte Böhmens und Mährens 4 (Reichenberg 1924) 45 ff. 7) Ferdinandeum 1. Jahresbericht (1825) 3 und 23 f. 8) Alfons M ü 11 n e r Die Geschichte des krainischen Landesmuseums in Argo, Zeitschrift für krainische Landeskunde 5 (1897) 7 ff, 34 ff, 54 ff, 66 ff, 79 ff, 94 ff; 6 (1898) 7 ff, 35 ff, 54 ff, 67 ff, 83 ff, 99 ff. 9) Zibermayr Musealverein 147. 10) Ebenda 150 ff. 41) Martin W u 11 e Der erste Plan zur Gründung eines Museums in Kärnten in Carinthia I 116 (1926) 123 ff. 12) Zibermayr Musealverein 127 ff.

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