Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
POSCH, Fritz: Das Archivwesen der Länder und die Entstehung der österreichischen Landesarchive
Das Archivwesen der Länder 53 Stammbäume, Wappen und Siegel, historischen Manuskripte, also Handschriften, und gedruckte Werke über die Geschichte Innerösterreichs, ferner eine historische Porträtsammlung. Ende 1811 stellten sich bereits die ersten Sendungen für diese Abteilung ein. 1812 intensivierte Johann seine Bemühungen. Er erinnerte die Prälaten der steirischen Stifte an die Zeiten der Bessel, Petz, Klein, Rauch und Caesar und ermahnte sie, diesen nachzueifern. Als zeitliche Sammlungsgrenze wurde damals das Jahr 1300 gewählt. Obwohl sich die Herrschaftsinhaber nur ungern von ihrem Archivgut trennten, waren Anfang 1813 bereits einige tausend Urkunden beisammen. Die Aktion wurde weiter fortgesetzt und es wurden nicht nur Abschriften von eingesandten Archivalien gemacht, sondern auch Originale genommen. Auch der ständische Ausschuß beschäftigte sich nun mit der Archivfrage und brachte sie im Dezember 1813 vor den steirischen Landtag, auf dem beschlossen wurde, Aufforderungen an sämtliche Domänen und Magistrate im Herzogtum Steiermark, an die fünf Kreisämter, an die Domänenadministration in Steiermark und Kärnten und an die Prälaten der großen Stifte ergehen zu lassen. Durch diese intensive Aufklärungs- und Werbetätigkeit und die fortlaufenden Mahnungen gelang es dem Erzherzog schließlich, das nötige Verständnis zu wecken. Es begann nun, wie die Jahresberichte des Joanneums ausweisen, ein ständiger Strom von wertvollen Urkunden und Manuskripten in das Joanneum zu fließen, die ohne die Tätigkeit Johanns wohl meist in Verlust geraten wären. Im Jahre 1813 gebrauchte der Erzherzog für das neue Institut bereits den Namen Landesarchiv. Um die Sammlung des Archivgutes noch schneller vorwärtszutreiben, griff Johann wieder den Gedanken der Archivbereisungen auf, der ihn schon im Jahre 1811 beschäftigt hatte, aber damals nicht zur Durchführung gekommen war. Er wollte im Frühjahr 1814 in jedem Kreis einen durch das Kreisamt und ihn zu bestimmenden Kommissär herumwandern lassen, der die Papiere durchsuchen sollte. Johann wie sein Berater Kalchberg waren verärgert über die Gleichgültigkeit der adeligen Grundherren, die, wie Johann sich ausdrückte, „sich leider meistens durch Unwissenheit und Nichtstun auszeichneten“. Der Archivar Wartinger führte nun zahlreiche Archivbereisungen durch, so daß das neue Institut bald allgemein bekannt wurde und nun regelmäßig Beiträge aus dem ganzen Lande eingingen. Während ursprünglich das Archiv einen Anhang zu der am Joanneum bestehenden Leseanstalt bildete, wurde es 1816 von dieser getrennt und erhielt zwei eigene Räume im Joanneum. Auch die Personalfrage wurde mit Hilfe Johanns gelöst. Das Faktotum war von Anfang an Josef Wartinger, der seit 1810 als Registratursadjunkt im Dienste der Stände stand und 1812 zum Registrator und Archivar des ständischen Archivs beför-