Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

POSCH, Fritz: Das Archivwesen der Länder und die Entstehung der österreichischen Landesarchive

Das Archivwesen der Länder und die Entstehung der österreichischen Landesarchive Von Fritz Posch (Graz) I. Die Vorläufer der heutigen Landesarchive: a) Die Musealarchive (S. 52). — b) Die Sammlungen der Geschichtsvereine (S. 57). — c) Die landständischen Archive (S. 60). — d) Das staatliche Archivgut in den Ländern (S. 61). — II. Die Organisierung der Landesarchive als wissenschaftliche Institute (S. 62). Die österreichischen Landesarchive, die sich heute vielfach zu Landes­zentralarchiven weiterentwiekelt haben oder auf dem Wege dazu sind, haben eine teils ähnliche, teils differenzierte Entstehungsgeschichte. In allen Ländern gab es zwar seit den ältesten Zeiten Archive in privater Hand, im Besitze von Herrschaften oder Klöstern, aber auch im Besitze des Landesfürsten und der Landschaften, doch waren diese in erster Linie wertvoll als Rechtsunterlagen oder als Ablagen und Behelfe der Verwal­tung. Erst spät wurden sie auch als Quellen für die Geschichtsforschung gewertet, doch waren sie, da sie geheim und vielfach in Privatbesitz wa­ren, nur schwer für die Forschung zugänglich. Während das Archivgut des Hauses Österreich schon 1749 durch die Gründung des Haus- und Hof- archives in Wien für die Wissenschaft erschlossen wurde '), bedurfte es bei den Ländern erst des Anstoßes durch die Romantik, die das geschichtliche Denken in der gebildeten Welt dieser Zeit weckte. Wenn zwar damals das Interesse an der Geschichte selbst im Vordergrund stand, wurde man sich doch bald bewußt, daß eine Geschichtsdarstellung ohne vorherige Samm­lung der Quellen und Schaffung von fachmännisch geführten Archiven nicht möglich sei. Für die Landesgeschichte, die bisher nur wenig gepflegt worden war, wurden hier mehrere Wege beschritten. Der erste Schritt zur Sammlung der landesgeschichtlichen Quellen wurde durch die am Beginn des 19. Jahrhunderts einsetzende Welle der Landesmuseen gemacht, dann folgten bald die historischen Vereine, die ebenfalls landesgeschichtliches Archivgut sammelten, schließlich wurden die landständischen Archive der wissenschaftlichen Forschung geöffnet und auch die staatlichen. Alle diese Archive wurden im Laufe der Zeit in irgendeiner Form vereinigt und bilden die heutigen Landesarchive. i) vgl. Walter Goldinger Geschichte des österreichischen Archivwesens (MÖStA Erg. Bd. 5, 1957) 24 f. 4*

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