Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

WAGNER, Walter: Archiv und Registratur der Akademie der bildenden Künste in Wien

Archiv und Registratur der Akademie der bildenden Künste in Wien 43 400 fl. so unbedeutend sei, daß man ein „mit den zu dem Amte erforder­lichen Kenntnissen begabtes eigenes Individuum dazu“ nicht finden könne. Überdies sei der Gehalt des Sekretärs seit Gründung der Akademie unverändert geblieben und erfahre durch die Zusammenlegung der drei Ämter und Gehälter eine angemessene Erhöhung 24). Die neuen Statuten von 1812 erwähnen wiederum das Archiv nicht und stellen lediglich die Verpflichtung des Sekretärs zur Aufbewahrung der Akten fest25). Auch räumlich war für das Archiv kaum vorgesorgt. Aus einer Darstellung der Verteilung der Lokalitäten im St. Anna-Gebäude zwischen Kunstakademie, Realakademie und Normalschule aus dem gleichen Jahr ist ersichtlich, daß man sich mit dem Sekretariatsbüro „zu­gleich zu einem Archiv behalf“ 26). Die schon unter Cobenzl wenigstens theoretisch angebahnte Schei­dung zwischen den Registraturen des Protektors und der Akademie trat mit der Amtsübernahme Metternichs ins Leben. Ab 1811 gibt es eine gesonderte eigens numerierte Aktenreihe mit zugehörigen Protokollen und Indices. Es scheint allerdings, daß die ersten Jahrgänge nachträg­lich numeriert und protokolliert wurden. Am 21. Februar 1819 beklagte sich nämlich Ellmaurer in seiner Eigenschaft als Archivar energisch beim Protektor, als der Staatskanzleirat Baron Bretfeld ihm die Ausfolgung von Kuratelakten verweigerte 27). Metternich habe ihm doch selbst einen Teil übergeben und mündlich zugesichert, den Rest bald übergeben zu lassen. Im Archiv der Akademie befänden sich alle früheren Kuratel-, Präsidial- und Kassenakten; Graf Cobenzl habe sie meist alle drei Monate abgegeben, Staatsrat Hudelist zu unregelmäßigen Terminen mehr oder weniger vollständig. Während der häufigen Abwesenheit Metter­nichs seien nach der Verfassung der Akademie die normalen Geschäfte des Protektors durch das Präsidium besorgt und daher diese Akten zu­sammen mit den übrigen Präsidialakten hinterlegt worden. Durch eine Trennung beider Registraturen müßten große Lücken entstehen, Vor­akten benötige man öfter beim Präsidium als bei der Kuratel, es müßten Verzögerungen bei der Erledigung ein treten und es wäre dann auch un­möglich, den von Ellmaurer seit Jahren beantragten Elench anzulegen. Obwohl der Präses Graf Lamberg sich der Ansicht Ellmaurers anschloß, erfolgte offenbar keinerlei Antwort von Metternich, und das Vorhanden­sein einer eigenen Kuratel-Registratur zeigt, daß die Vorstellungen ver­geblich blieben. Jedenfalls waren Registratur und Archiv in ziemlicher Unordnung, als 24) Akten 1811: Vortrag des Kurators, Februar 11; Metternich an Akademie, Mai 29. 25) Abgedruckt bei L ü t z o w Geschichte 163 ff (Auszug). 26) Akten 1812. 27) Akten 1819.

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