Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

BROUCEK, Peter: Johann Baptist Schels. Offizier, Archivar und Historiker der Biedermeierzeit

444 Peter Broucek zwölf weiteren Oberleutnants in diesem Korps belassen. Lediglich durch eine kurze Truppendienstleistung beim Infanterieregiment FZM Sigmund Frh. v. Gemmingen-Hornberg Nr. 21 unterbrochen, wurde Schels nunmehr zur Landesbeschreibung Böhmens herangezogen und bereiste zu demsel­ben Zweck 1807 und 1808 Oberösterreich, Steiermark und Salzburg. In dieser Zeit entstanden bereits seine ersten historischen und geographi­schen Aufsätze, von denen 1808 einer und 1811 sechs weitere in der Militärzeitschrift zum Druck gelangten. Inzwischen hatte Schels infolge der geringen Aussicht auf Beförde­rung seine Übersetzung zum Pionierkorps mit 4. März 1809 erlangt8). Unter dem Kommandanten des 7. Armeekorps in Polen, seinem Gönner General der Kavallerie Erzherzog Ferdinand, führte er im Feldzug 1809 eine Pionierkompanie. Beim Bau und bei der Verteidigung einer Weich­selbrücke nahe dem Ort Gura wurde Schels am 2. Mai dreimal verwundet und entging nur knapp der Gefangennahme durch die für Frankreich kämpfenden polnischen Kontingente. Beim Rückzug der Österreicher führte er wieder seine Kompanie, die erlittenen Blessuren erzwangen jedoch eine Entfernung vom Truppendienst, die nach einer kurzfristigen Transferierung zum Infanterieregiment FML Friedrich Graf Bellegarde Nr. 44 mit 22. Juni 1810 erfolgte 9). Durch die Einteilung ins literarische Büro des Generalquartiermeisterstabes stand, wie rückblickend festzu­stellen ist, Schels Laufbahn als Schriftsteller und Historiker fest, umso­mehr, als der Offizier sogleich auch als Redakteur der wieder auflebenden Zeitschrift eingesetzt wurde. Vierundzwanzig gedruckte Aufsätze in den Jahren 1811 bis 1813 zur Geschichte und Geographie waren eine Frucht dieser Schaffensperiode10). Ein Hauptwerk Schels bildet jedoch das in jenen Jahren entstandene vierteilige Werk Leichte Truppen, kleiner Krieg. Ein Handbuch für Offiziere aller Waffengattungen (Wien 1813—1815). Dieser Beitrag zur Kampfesweise der damals in Österreich erstmals im größeren Rahmen aufgestellten Landwehr und der leichten Reiterei wur­de vom Hofkriegsrat zum Selbststudium der Offiziere zugelassen und auch von Erzherzog Carl beifällig aufgenommen. Der Krieg von 1813 unter­brach Schels Tätigkeit neuerlich. Schon war er laut einem Befehl vom 16. Juli 1813 zur Armee abgegangen, als ihm eine Staffette in Znaim 8) KA Archiv des Hofkriegsrates, Hauptreihe 1809-1-2-35-11: Kais. Ent­schließung vom 4. März 1809 (nur als Protokolleintragung erhalten). ») Ebenda, Protokolla 1810, G 5787, exp. 1810 Juni 22. 10) Eine Bibliographie der weit über hundert Titel zählenden Arbeiten Schels liegt im Manuskript vor, kann jedoch in diesen Versuch einer Lebens­beschreibung nicht aufgenommen werden. Es besteht die Aussicht, das Werk­verzeichnis des aus einer Offiziersfamilie stammenden Historikers, Dichters, Archivars und Bibliothekars, in dessen Herkunft und Schaffen der Autor somit gewisse Parallelen zum Werdegang des verehrten Jubilars zu sehen glaubt, bei anderer Gelegenheit vorlegen zu können.

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