Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
BROUCEK, Peter: Johann Baptist Schels. Offizier, Archivar und Historiker der Biedermeierzeit
Johann Baptist Schels 445 den Befehl zur Rückkehr überbrachte. Schels übernahm das geheime Kundschaftsbüro des Generalquartiermeisterstabes und gleichzeitig die Abfassung der Armeebulletins für die Armeezeitung. Trotz dieser interessanten Tätigkeit zog es ihn fort zur operierenden Armee, aber weder in diesem noch in den folgenden Jahren gelang ihm die angestrebte Versetzung, mit der auch das baldige Avancement zum Major verbunden gewesen wäre. Andererseits dürfte es wohl ohne Zweifel feststehen, daß gerade die von ihm damals bewältigten Aufgaben für seine zukünftigen Arbeiten über die Feldzüge der napoleonischen Ära besonders günstige Voraussetzungen schufen. Gelegentlich einer Besichtigung der Generalquartiermeisterstabsbüros durch die verbündeten Monarchen wurde diesen das von Schels verfaßte Gedicht Die Völkerschlacht bei Leipzig überreicht, ebenso wie sein Werk über den Kleinkrieg. Mehrere Ehrengaben, Orden, Andenken und Anerkennungsschreiben waren Schels’ Lohn, nicht aber eine mehrmals beantragte Zuerkennung des Armeekreuzes, die Majorscharge oder eine Gebührenerhöhung. Trotz seiner Generalstabstätigkeit war Schels mit 1. September 1813 zum Infanterieregiment FML Alexander v. Jordis Nr. 59 eingeteilt worden und zu guter Letzt, im Feldzug 1815, konnte der Offizier in der Generaladj utantur des Feldmarschalls Fürst Karl Schwarzenberg an der Leitung des letzten österreichischen Feldzuges gegen Napoleon Anteil nehmen. Die nun folgende Friedenszeit bot dem Soldaten die Gelegenheit, die Erfahrungen der vergangenen Feldzüge in den nun in Angriff genommenen historischen Darstellungen aufzuzeigen und insbesondere für den Unterricht zu verwerten. Mit Dekret vom 4. Juli 1816 wurde der nach dem Feldzug des vergangenen Jahres wieder ins kriegsgeschichtliche Büro zurückgekehrte Schels ins Kriegsarchiv kommandiertu) und ihm mit Verordnung vom 11. Juni 1817 die Bearbeitung des Feldzuges von 1797 aufgetragen11 12). Fünf Aufsätze in den Jahrgängen 1835 bis 1837 der Österreichischen Militärischen Zeitschrift wurden von Schels später auf Grund dieser Arbeiten veröffentlicht, während die ihm offenbar besonders interessant erscheinenden Operationen von 1796 in Italien und Deutschland in sechzehn Aufsätzen der Jahrgänge 1813 bis 1847 ihren Niederschlag fanden. Inzwischen hatte der Generalquartiermeisterstab vom Hofkriegsrat neuerlich die Genehmigung zur Herausgabe der obgenannten Zeitschrift erhalten, für die Schels als leitender Redakteur bestimmt wurde. Ein weiteres Tätigkeitsfeld für Schels entstand dadurch, daß man ihm die Abfassung eines Pionierreglements, eines Teils des Jägerreglements (Der Dienst der Vorposten, Patrullen und Detaschements) und des Reglements für den Schanzenbau auftrug. 11) KA Direktionsakten 113/1816: Hofkriegsrat an KA 1816 Juli 4, Or. 12) Ebenda 163/1817: FML Prohaska, Chef des Generalquartiermeisterstabes, an das KA 1817 Juni 11, Or.