Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
BROUCEK, Peter: Johann Baptist Schels. Offizier, Archivar und Historiker der Biedermeierzeit
Johann Baptist Schels 443 sorgten Geschichtsschreibung ließ sich dem Zeitalter entsprechend die Belehrung des Offizierskorps, die Hebung seiner Moral und daher die pragmatische Darstellung der ereignisreichen militärischen Vergangenheit des Kaiserstaates angelegen sein. Die enge Verbindung mit dem Kriegsarchiv spielte bei diesem Vorhaben umso mehr eine Rolle, als im Vorwort des ersten Bandes der zu diesem Zweck gegründeten Zeitschrift der Satz geprägt wurde, „daß bei den Zeitgenossen und weit hinaus bei der Nachwelt immer der Staat Unrecht behält, der seine Archive später öffnet als die übrigen“ 5). Der schreibfreudigste und fleißigste Militärhistoriker jener Epoche, der als kriegserfahrener Truppenoffizier, Generalstäbler und Kundschaftsoffizier, Archivar und Bibliothekar alle von seinen Vorgesetzten und — nicht zu vergessen — von der Zensur gestellten Anforderungen zu erfüllen schien, war Johann Baptist Schels 6). Über seinen ersten Lebensabschnitt gibt eine von ihm als Memoire zusammengestellte Autobiographie neben einigen Druckwerken die beste, bisher aber immer noch unvollständige Auskunft7). Danach fand der am 9. November 1780 zu Brünn geborene Sohn eines Administrators des k. k. Tabakgefälles nach philosophischen Studien zunächst als Konzeptspraktikant bei der k. k. Bankal- Direktion Aufnahme in den Staatsdienst. Sein Onkel war der Ritter des Maria Theresien-Ordens FML Karl Freiherr von Amadéi. Vielleicht hat Schels das Vorbild dieses Mannes beeinflußt, als er nach dem Tod des Vaters seiner Neigung folgte und am 4. Mai 1801 als Fähnrich beim Infanterieregiment FML Michael Frh. v. Frelich Nr. 28 eintrat. Schon nachdem er am 1. Juli 1804 zum Leutnant befördert worden war, wurde er für Vorträge in der Offiziersschule seines Regiments herangezogen und so entstanden die Bearbeitung eines preußischen Werkes Moral für Krieger und ein Handbuch der Mathematik für Krieger7a). Schels bewährte sich im unglücklichen Feldzug von 1805 und wurde auf Empfehlung des FML Erzherzog Ferdinand d’Este nach Beförderung zum Oberleutnant im Generalquartiermeisterstab am 27. August 1805 mit nur 5) Zitterhofer Streffleurs Milit. Zs. 3. 6) Vgl. über ihn Constant v. Wurzbach Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich 29 (Wien 1875) 191—195 und die dort angegebene Literatur; Zitterhofer Streffleurs Milit. Zs. 8—11; Kriegsarchiv Wien (künftig: KA) Personalakten, Qualifikationslisten 2561: Individuelle Beschreibungen vom 30. September 1844 und 30. September 1847; KA Personalakten, Grundbuchblatt Ternion 2, 1—219, Außer den Regimentern und dienende Pensionisten, fol. 87. Der Schriftennachlaß Schels’ wurde im Bestand Nachlässe und Donationen des Kriegsarchivs zusammengestellt, Sign. B/659. ?) KA Nachlässe und Donationen B/659, n. 36. Diesen eigenhändigen Aufzeichnungen Schels’ liegen im Auszug Verordnungen des Hofkriegsrates, Dienstbeschreibungen, Belobigungen etc. bei. 7a) Zitiert nach der obgenannten Schrift, aus der vielleicht auch schon Wurzbach schöpfte. Diese ersten Werke müssen als verschollen gelten.