Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
BROUCEK, Peter: Johann Baptist Schels. Offizier, Archivar und Historiker der Biedermeierzeit
Johann Baptist Schels Offizier, Archivar und Historiker der Biedermeierzeit Von Peter Broucek (Wien) Oskar Regele hat in seiner Betrachtung über die Geschichtsschreibung im Kriegsarchiv die Annahme von drei Entwicklungsstufen vorgeschlagen1): Beginnend von der kaiserlichen Anordnung vom 22. November 1779 bezüglich einer aktenmäßig-amtlichen Darstellung der Feldzüge ab 1740 bis ins erste Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts kann eine erste Phase angenommen werden. Sie hat als Zeit der meist den Ablauf referierenden Feldzugsdarstellungen, gepaart mit statistisch-geographischen Angaben und Feststellung der Heeresstärke, ihre Spuren in der reichhaltigen Manuskriptsammlung des Archivs hinterlassen. Diese „Überreste“ sind vor allem wegen der Verarbeitung seither zum Teil verschollenen Aktenmaterials schätzenswert, und auch deshalb, weil Originalakten diesen Darstellungen in reicher Zahl beigebunden worden sind * 2). Der erste Einschnitt in der amtlichen österreichischen Militärgeschichtsschreibung kann mit der beginnenden Herausgabe der 1808 und 1811 bis 1813 infolge der Kriegsereignisse vorübergehend, ab 1818 jedoch regelmäßig erscheinenden Österreichischen Militärischen Zeitschrift gezogen werden 3). Ein weiterer Wendepunkt ergab sich durch die 1876 in den Organischen Bestimmungen für das Kriegsarchiv niedergelegte Weisung, von der reinen Feldzugsdarstellung abgehend die Kriegsereignisse mehr im Zusammenhänge „mit der allgemeinen Weltgeschichte sowie mit besonderer Berücksichtigung und genauen Beleuchtung der Beschaffenheit der Kriegsmittel zu beschreiben und so auch die historische Entwicklung des ganzen Heerwesens darzustellen“4). Diese zweite Epoche der vom Generalquartiermeisterstab ab 1818 in einem eigenen Generalstabsbüro für Kriegsgeschichte be1) Oskar Regele Die Geschichtsschreibung im Wiener Kriegsarchiv von 1779 (Kaiser Joseph II.) bis zum Ende des ersten Weltkrieges (1918) in Festschrift des Haus-, Hof- und Staatsarchivs 1 (Wien 1949) 741. 2) Vgl. vor allem die Manuskripte Johann Graf Brownes, verzeichnet in Inventare österreichischer Archive VIII: Inventar des Kriegsarchivs Wien 2 (Wien 1953) 106 ff: Liste der im Kriegsarchiv verfaßten Werke, insbes. 109. 3) Vgl. Karl Ludwig Zitterhofer Streffleurs Militärische Zeitschrift 1808—1908. Eine Geschichte dieser Zeitschrift anläßlich ihres hundertjährigen Bestandes ... (Wien 1908). 4) Regele Geschichtsschreibung 741.