Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

GASSER, Peter: Triest und Marseille. Merkantilmaritime Beziehungen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts

272 Peter Gasser Johann Freiherr, in der Folge Graf, von Fries, geboren zu Mühlhausen am 19. Mai 1719, gestorben in Vöslau am 19. Juni 1785, war kein Berufs­diplomat, sondern ein Fabrikant und Großkaufmann. Einer Schweizer Patrizierfamilie entsprossen, war er mit seiner Handlung von Zürich nach Wien übersiedelt. Die Gunst des Hofes erwarb er sich „durch Anleg- und Errichtung verschiedener beträchtlicher Fabriquen, mit Verwendung mehrerer tonnen Golds zu beförderung des hiesigen commercii“, wie auch „durch die ihm in geheimen Verschickungen aufgetragene, und zu voll­ständiger Zufriedenheit jedesmahl gantz vergnüglich vollbrachte Ge­schäfte ...“. Darüber hinaus konnte er der Regierung im Laufe des sie­benjährigen Krieges mit beträchtlichen Krediten aushelfen5). Frühere Leistungen waren von Maria Theresia, die Fries in der Folge am 16. De­zember 1771 auch zum Hofrat ernannte, schon 1752 durch Verleihung des Kommerzienrattitels honoriert worden. Am 27. November 1757 geadelt, war am 15. Dezember 1762 seine Erhebung in den Freiherrnstand erfolgt. Anläßlich des ihm von Joseph II. am 5. April 1783 verliehenen Grafen­stands ist bei Aufzählung der Meriten u. a. auch darauf hingewiesen worden, „wie er dann auch im Jahre 1777 der erste gewesen, der durch seine Mühe auf der Donau bis nach Ruszuck (Rustschuk/Ruse) die Hand­lung mit Unseren innländischen Produkten eröffnet, und andurch den deutschen Kaufleuten den Weg gebahnet, von dort aus in dem türkischen Gebiethe weit und breit zu Handeln, und dagegen Türkische Produkten herauf zu bringen, annebst ein deutsches Handlungshaus in Konstantino­pel errichtet habe ...“. Ein Beweis mehr, daß auch Johann Graf Fries für die Forcierung der erbländischen Exportation nach dem Balkan und den Ländern der Levante eingetreten ist6). Im Verlauf zwangloser Gespräche hat Fries es offenbar verstanden, seine französischen Partner von der Nützlichkeit eines merkantilmariti­men Verkehrs unter Einbeziehung und besonderer Berücksichtigung des Adriahafens Triest zu überzeugen. Ein sichtbarer Erfolg dieser Gespräche stellte sich nicht unmittelbar, sondern erst nach Jahren ein, als im Sommer 1770, wie Kaunitz am 9. August dem Kommerzienrat notifi­zierte, ein französischer Konsul in Triest ernannt und von der französi­schen Regierung ein wechselseitiges Handelsabkommen der Städte Mar­seille und Triest befürwortet wurde 7). Der Kommerzienrat hatte schon 1769 eine solche Lösung empfohlen. Allein die mit Portugal und Spanien gesammelten bösen Erfahrungen gemahnten, hier möglicherweise unbegründet, zur Vorsicht. So erhielt 1777 der der österreichischen Vertretung zugeteilte und in der Folge selbst 5) Allgemeines Verwaltungsarchiv Wien (AVA) Adelsakt der Reichskanzlei: Fries 1762. «) AVA Adelsakt der Reichskanzlei: Fries 1783. 7) HKA Lit. Kommerz 661/rot fol. 169 rv.

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