Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

PACH, Sigmund Paul: Zur Geschichte der Handelsbeziehungen zwischen Österreich und Ungarn im 15. und 16. Jahrhundert

Zur Geschichte der Handelsbeziehungen zwischen Österreich und Ungarn 251 ihre Bedeutung Ende des 15. und in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahr­hunderts vor allem durch die Kupferausfuhr der Fugger gesichert31); gleichzeitig erfuhr aber auch der Import, hauptsächlich der Importverkehr von Textilwaren, eine Belebung auf diesem sogenannten „oberen Weg“32), welcher, von Breslau und Teschen (Cesky Tesin) kommend, über den Jablunka-Paß führend, bei jenen Zollstellen im Waagtal mün­dete, die zum Trentschiner Hauptdreißigstamt gehörten und sich 1542 ebenfalls im Pfandbesitz des Alexius Thurzó befanden33). Aus diesem Jahre sind uns leider Dreißigstbücher von keiner der beiden Parteien (weder vom Pfandbesitzer, noch von der königlichen Kammer) erhalten geblieben, die die Einnahmen dieser Stellen untereinander teilten. Erhal­ten haben sich aber die einige Jahre früher, für die damaligen Vize- Pfandbesitzer Nikolaus und Peter Kosztka verfertigten Register einer die­ser Zollstellen, des Silleiner (Zsolna, Zilina) Dreißigstamtes; und zwar von 1529 bis 1537 unvollständig, unter ihnen aber das Register vom Jahre 1530 vollständig. Demzufolge sind in diesem Jahr über diese einzige Dreißigststelle wenigstens 1312 Stück und 38 Ballen, insgesamt etwa 2400 Stück, 1531 hingegen, im Verlaufe eines Dreivierteljahrs, wenigstens 663 Stück und 131 Ballen, insgesamt etwa 4500 Stück ausländisches Tuch nach Ungarn eingeführt worden34 35), was die Größenordnung der in den Dreißigstbüchern vom Jahre 1542 nicht figurierenden nordwestlichen Textileinfuhr wenigstens einigermaßen beleuchten kann. Der steigende Verkehr des „oberen Weges“ hing mit den Neuerschei­nungen der Textilindustrie und Textilhandels, mit der Erweiterung der Nachfrage nach Wollstoffen mittelmäßiger und billiger Qualität — ge­genüber den früheren hochwertigen Tuchsorten — zusammen. Die Pro­dukte der neuen Zweige des niederländischen und englischen Webereige­werbes 3ä) waren in Mitteleuropa eingedrungen und erreichten auch die 3!) Gusztáv Wenzel Okmánytár a Fuggerek magyarországi nagykeres­kedése és rézvállalatának történetéhez [Urkunden zur Geschichte des unga­rischen Handels- und Kupferunternehmens der Fugger] in Történelmi Tár (Budapest 1882) 632—634; Ernst Koch Das Hütten- und Hammerwerk der Fugger zu Hohenkirchen bei Georgenthal in Thüringen 1495—1549 in Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde 26 (Jena 1926) 308—309. 32) Heinrich Wendt Schlesien und der Orient. Ein geschichtlicher Rückblick (Breslau 1916) 51—61 ;Engel-Janosi Wiener Kaufmannschaft 48. 33) Acsády Magyarország pénzügyei 134; Ember Külkereskedelmünk 322. 34) Pavel Horváth Príspevok k obchodnym stykom Slovenska so Sliezs- kom a Moravou v prvej polovici 16. stor. in Historické stúdie 11 (Bratislava 1966) 168, 187, 189. 35) Henri P i r e n n e Une crise industrielle au XVH siécle. La draperie urbaine et la „nouvelle draperie“ en Flandre in Bulletin de la Classe des lettres de I’Académie royale de Belgique 5 (Bruxelles 1905) 490—521; Herbert

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