Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
PACH, Sigmund Paul: Zur Geschichte der Handelsbeziehungen zwischen Österreich und Ungarn im 15. und 16. Jahrhundert
Zur Geschichte der Handelsbeziehungen zwischen Österreich und Ungarn 247 6854 fl. beliefen, fielen im Finanzjahr 1458—59 bereits auf 3921 fl. zurück, erreichten 1459—60 einen Tiefstand von 479 fl. und machten auch 1460—61 bloß 794 fl. aus u). Die Wiener Mauteinnahmen, die im Durchschnitt der Jahre 1455—1459 2436 Pfund ausmachten, erreichten im Durchschnitt der Jahre 1460—1464 bloß 1266 Pfund und sind auch in den 1470—1480-er Jahren im Großen und Ganzen auf demselben Niveau geblieben * 12). Der Verkehr auf der Donau-Handelsstraße belebte sich erst vom letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts an wieder; erst dann wurde sie wieder zu einem der Hauptkanäle der Strömung der westmitteleuropäischen, besonders der süddeutschen Textilien nach Osten. In Linz wurden 1496, 1498 und 1499 jährlich 5000 bis 6000 Stück Tuch auf den Markt geworfen, etwa die Hälfte davon von oberdeutschen, vor allem Nürnberger Kaufleuten —-, wahrscheinlich überwiegend für den österreichischen Verbrauch13). Die nach Ungarn bestimmten Waren wurden nach Wien und Preßburg weitergeführt. Die Mauteinnahmen von Wien beliefen sich im Jahresdurchschnitt 1495—1499 bereits auf 2402 Pfund, kamen also dem Durchschnitt der Jahrhundertmitte nahe14); der Dreißigst von Preßburg wurde 1494-—1495 wieder für 5000 fl. (samt dem von Ödenburg), verpachtet15 16), und mehr als drei Viertel der hiesigen Einfuhr machten nach dem Dreißigstbuch 1495—1496 wieder die Textilwaren aus le). In den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts setzte sich der Belebungsprozeß auf dem Donauweg fort: Die Wiener Mauteinnahmen kamen in den 1520er Jahren bereits den 3500 Pfund nahe oder haben sie sogar überstiegen; der Dreißigstertrag von Preßburg wurde um 1523 auf 6000 fl. geschätzt17). Dies fiel zeitlich mit dem Aufschwung des Nürnberger Webereigewerbes zwischen 1520 und 1530 zusammen, welcher seinerseits großenteils gerade den günstigen Möglichkeiten auf den ungariu) Ferenc Kováts Korakapitalisztikus gazdasági válság Magyarországon I. Mátyás király uralkodása alatt [Eine frühkapitalistische Wirtschaftskrise in Ungarn während der Regierungszeit König Matthias I.] in Dissertationes in honorem Dr. Eduardi Mahler (Budapestini 1937) 187. 12) Friedrich Engel-Janosi Zur Geschichte der Wiener Kaufmannschaft von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts in Mitteilungen des Vereines für Geschichte der Stadt Wien 6 (1926) 59. 13) Theodor Mayer Der auswärtige Handel des Herzogtums Österreich im Mittelalter (Innsbruck 1909) 157—160; Wilhelm Rausch Handel an der Donau 1: Die Geschichte der Linzer Märkte im Mittelalter (Linz 1969) 205—212. 14) Engel-Janosi Wiener Kaufmannschaft 59. ls) Johann Christian von Engel Geschichte des ungrischen Reichs und seiner Nebenländer 1 (Halle 1797) 127. 16) Kováts 4 magyar arany 126. 17) Engel-Janosi Wiener Kaufmannschaft 59; Ludwig v. Schedius Etwas über den Zustand der ungrischen Finanzen im Anfänge des XVI. Jahrhunderts in Zeitschrift von und für Ungern zur Beförderung der vaterländischen Geschichte, Erdkunde und Literatur 3 (Pesth 1803) 101.