Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

PACH, Sigmund Paul: Zur Geschichte der Handelsbeziehungen zwischen Österreich und Ungarn im 15. und 16. Jahrhundert

248 Sigismund Paul Padi sehen Märkten zu verdanken war18 *). Diese Möglichkeiten wurden vom oberdeutschen Textilhandel vor allem über Wien ausgenützt, aber — nach den Angaben der Geschäftsbücher des in Österreich eingebürgerten oberdeutschen Handelshauses, der Firma Funck — auch über Wiener- Neustadt. Die über diese letztere Handelsstraße geführten Waren wur­den freilich nicht beim Preßburger, sondern beim Ödenburger Dreißigst- amt verzollt. Zwischen 1524 und 1538 waren beinahe ein Drittel der Schuldner der Firma Funck Einwohner von Ödenburg und Güns (Kőszeg), so daß sich Wiener-Neustadt als der Hauptvermittler von Textilwaren nach West-Transdanubien erwiesen hat1B). Der Vorstoß der oberdeutschen Produkte ist auch für die Zusammen­setzung der in den Dreißigstbüchern des Jahres 1542 registrierten Tuch­einfuhr — 9608 Stück und 47 Ballen, insgesamt etwa 11 000 Stück — kennzeichnend. Verschwunden ist innerhalb der west- und west-mittel- europäischen Sorten der überwiegende Anteil der niederrheinischen Pro­dukte, welcher bei der Preßburger Einfuhr vom Jahre 1457—58 noch zu beobachten war. Das Aachener Tuch figuriert nun mit einem einzigen Ballen, und Kölner Tuch kommt gar nicht vor; ihre Plätze werden nun von den oberrheinischen und süddeutschen (vor allem Nürnberger) Wa­ren eingenommen, die mit ihren 2463 Stück und 15 Ballen im Jahre 1542 etwa 26 Prozent der in den Dreißigstbüchern registrierten Einfuhr ausmachten. Auf eine noch wichtigere Veränderung deutet aber die Zu­nahme des Anteils der ost-mitteleuropäischen Produkte hin. Der Anteil der west- und west-mitteleuropäischen Tuchsorten, welcher 1457—58 noch 61,4 Prozent betrug, erreicht 1542 höchstens 41—42 Prozent; der Anteil der böhmisch-mährischen und schlesischen (vor allem Breslauer) Waren ist hingegen — mit 6396 Stück und 4 Ballen — von 38,6 Prozent auf 58—59 Prozent der Gesamteinfuhr angestiegen 20). Der Schwerpunkt des westlichen Tuchimports Ungarns hatte sich also — trotz des Erscheinens wichtiger neuer Produkte der westeuropäischen Textilindustrie21) und trotz der beträchtlichen Einfuhr süddeutscher Waren — 1542 bereits auf die mährischen und schlesischen Produkte ver­schoben 22 *). i8) Ingomar Bog Wachstumsprobleme der oberdeutschen Wirtschaft 1540— 1618 in Forschungen zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 10 (Stuttgart 1968) 72—75. is) othmar P i c k 1 Das älteste Geschäftsbuch Österreichs. Die Gewölberegi­ster der Wiener Neustädter Firma Alexius Funck (1516 bis ca. 1538) und ver­wandtes Material zur Geschichte des steirischen Handels im 15./16. Jahrhundert (Graz 1966). so) Auf Grund der bisher nicht publizierten Belege der Dreißigstbücher 1542, die uns Győző Ember freundlichst mitgeteilt hat. 21) Siehe unten Anm. 36. 22) Diese Tatsache wird etwas später auch durch türkische Quellen bestätigt, die den westlichen Import der eroberten Teile Ungarns beleuchten. Uber die

Next

/
Thumbnails
Contents