Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
WIESFLECKER, Hermann: Das älteste russische Originaldokument in Österreich?
Das älteste russische Originaldokument in Österreich? 145 weise schon als Zar bezeichnete, antwortete selbstbewußt, daß er und seine Ahnen von Gott selber über dieses Land gesetzt seien und keiner anderen Einsetzung bedürften 13). Aber der Großfürst ordnete nun doch im März 1489 auch eine eigene russische Gesandtschaft unter Führung des Griechen Georg Trachaniot nach Westen ab 14). Er traf am 25. Juli 1489 auf dem Frankfurter Tag mit Maximilian zusammen und wurde im Rathaus auf das feierlichste empfangen 15). In „lombardischer“ Sprache entboten die Russen die Grüße und Botschaften ihres Herrn und überbrachten Maximilian reiche Geschenke. Der Römische König bot ihnen die Hand und lud sie ein, neben ihm Platz zu nehmen, wobei unverbindlich über die Möglichkeiten eines Bündnisses und einer Heirat gesprochen wurde. Die russischen Gesandten hatten nicht nur die Vorschläge Poppels zu beantworten, eingehende Erkundigungen über den Westen einzuholen und darüber regelmäßig zu berichten, sondern auch praktische Aufträge zu erledigen: sie sollten Bergbaumeister für Gold und Silber, Schmelzmeister, Geschützgießer, Büchsenmeister, Belagerungsmeister, Feuerwerker, Palastbaumeister, Gold- und Silberschmiede, Kunsthandwerker und vor allem einen guten Arzt für ihren Großfürsten anwerben. Die angebotene Freundschaft wurde namens des Großfürsten angenommen, aber eine großfürstliche Heirat mit einem Markgrafen von Baden entschieden abgelehnt, denn Ivan III. stamme aus uraltem Geschlecht, das mit den Kaisern von Byzanz eng versippt sei. Nur König Maximilian selber komme als Bräutigam der Zarentochter in Frage, müsse aber persönlich seine Brautwerber nach Moskau schicken. Von Frankfurt begaben sich die Russen nach Linz zum alten Kaiser 16), der sich damals noch alle großen Entscheidungen eifersüchtig vorbehielt. Aber Friedrich III. hatte nun, da sich im Osten ein günstiger Friede mit Matthias Corvinus abzeichnete, an den anspruchsvollen Russen, die eine Heirat mit seinem Sohn wünschten, nur mehr wenig Interesse. Der alte Herr war zwar äußerlich recht höflich, aber er würdigte die Gesandten keines mündlichen Auftrages, keines Schreibens und keines Grußes für 13) Ebenda 10 ff; Ü b e r s b e r g e r 1, 12; L e i p o 1 d 9. 14) Sehr ausführliche und interessante russische Instruktion des Großfürsten an seinen Gesandten von 1489 März 22 Moskau: (Denkmäler) 1/1, 14—21 (darin ist auch viel über frühere Verhandlungen enthalten); Bauer 64, 66; Karamsin 6, 5; Übersberger 1, 12 f, 16. Ein Hinweis auf diese Gesandtschaft: (Vollständige Sammlung) 25, 331 ff. 15) Späterer Bericht des Trachaniot über diese Vorgänge: (Denkmäler) 1/1, 24—34; vgl. Stoy 8 f; Bazilevic 265 f; Fennell 122 f; Höflechner 1, 129 ff. i«) (Denkmäler) 1/1, 58 (ein späterer Bericht, behandelt diese Ereignisse aus der Rückschau); Leipold 10; Bauer 67 (stellt die Ereignisse etwas anders dar). Mitteilungen, Band 25 10