Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

WIESFLECKER, Hermann: Das älteste russische Originaldokument in Österreich?

144 Hermann Wiesflecker Schweden. Auch der Türke wurde als zeitweiliger stiller Verbündeter gegen Ungarn nicht völlig ausgeschlossen. Dies alles war nicht ganz neu, hatte ja schon Friedrich III. gute Beziehungen zum Sultan gesucht8) und, wie wir hörten, auch bereits Verbindungen zum Großfürsten von Moskau aufgenommen. Bereits im Jahre 1486 war der geschäftige Nikolaus Poppel das erste Mal nach Rußland gegangen 7), hatte sich aber in umständlichen Verhand­lungen und langwierigen Untersuchungen das Vertrauen der Russen er­werben müssen. Es ist wohl anzunehmen, daß diese erste Reise Poppels nicht so ganz privat war, daß er vielmehr vom Kaiser angesichts der be­sonders feindseligen Haltung König Matthias’ von Ungarn und König Wladislaws von Böhmen8) gegen Maximilians römische Krönung nach Rußland abgeordnet worden war. Die Meldungen, die Poppel dem Kaiser auf dem Nürnberger Reichstag (1487) erstattete, erweckten allgemeines Interesse ®). Der „Privatreisende“ wurde alsbald als Gesandter in kaiser­liche Dienste genommen und Anfang 1489 ein zweites Mal nach Moskau abgesandt10). Angesichts der beständigen ungarischen Drohung ließ der alte Kaiser dem Großfürsten Ivan III. sogar eine familiäre Verbindung seines Neffen Albrecht von Baden mit einer der großfürstlichen Töchter, aber auch andere Eheverbindungen mit großen Reichsfürsten anbieten n). Der alte Herr hoffte wohl, damit den Großfürsten am besten für seine Sache zu verpflichten. Die kaiserlichen Heiratsanträge stießen aber auf größtes Mißtrauen. Als der Gesandte gar verlangte, der Großfürst solle ihm die Tochter zei­gen 18), lehnte dieser die Zumutung rundweg ab. Poppel aber wagte noch Größeres: Er bot dem Großfürsten in einem Gespräch unter vier Augen einen Königstitel von Kaiser Friedrichs III. Gnaden an; er, der Gesandte, habe gehört, daß sich der Großfürst beim Papst um einen Königstitel bemühte, was von Polen hintertrieben worden sei. Aber nicht der Papst, sondern der Römische Kaiser erhebe Könige, Fürsten und Ritter. Doch Ivan III., der sich tatsächlich um das kaiserliche oder päpstliche Recht der Kronverleihung wenig kümmerte und sich fall­6) Ebenda, 251 f. 7) (Denkmäler) 1/1, 5; Bauer 58; Übersberger 1, 4; Karge 266; Leipold 7f; vgl. S t o y 8 Anm. 31. 8) Wiesflecker Maximilian 1, 192. 9) (Denkmäler) 1/1, 2 f; B a u e r 59, 64. 10) Ein sehr ausführliches und interessantes russisches Protokoll über die umständlichen Verhandlungen Poppels mit dem Großfürsten 1489: (Denkmä­ler) 1/1, 1—12; vgl. Bauer 64; Ubersberger 1, 6ff; Leipold 8; Wies­flecker Ungarnunternehmen 32. u) Besonders interessante Informationen, welche sich die Russen über die inneren Reichsverhältnisse, die Königswahl, die Reichsfürsten, die Verwandt­schaftsverhältnisse etc. geben ließen: (Denkmäler) 1/1, 13 f. >2) Ebenda 8 f.

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