Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

BÁRÁNY, George: Das Credo der Wissenschaft. Unveröffentlichte Gelehrtenbriefe des 20. Jahrhunderts in der Universitätsbibliothek Denver

Das Credo der Wissenschaft Unveröffentlichte Gelehrtenbriefe des 20. Jahrhunderts in der Universitätsbibliothek Denver *) Von George Bárány (Denver, Col.) Die Frage nach der Beziehung zwischen Glauben und Wissen im allge­meinen, zwischen Naturwissenschaften und Religion im besonderen, ist nicht neu. Das mag Kennern der Schriften von Kant und Goethe als Gemeinplatz erscheinen; die Frage hat jedoch immer wieder einige der hervorragendsten Geister in der Geschichte der Menschheit herausgefor­dert, wie die Beispiele von Galilei und Sokrates zeigen. Unser eigenes Zeitalter bildet keine Ausnahme. Auf einer dreitägigen Konferenz in Princeton (New Jersey, USA) versuchte im Februar 1970 eine Gruppe von Theologen und Gelehrten, sich mit einigen neueren Aspekten des Problems auseinanderzusetzen, so — um nur zwei Beispiele zu nennen — mit der Veränderung menschlichen Verhaltens durch neue Medikamente und mit der Manipulation des genetischen Codes. Ein Teilnehmer, Dr. Amitai Etzioni, Vorstand des Departments für Soziologie an der Columbia Uni­versity, ging so weit, in der Eröffnungssitzung vorzuschlagen, daß die Kirchen mit den Wissenschaftlern Zusammenarbeiten müßten, „um den Menschen und seine Werte vor dem zunehmenden Ansturm wissenschaft­licher Neuerungen, der die Gesellschaft zu überwältigen droht, zu bewah- ren‘\ Er stellte auch eines der grundlegenden Postulate der modernen Gesellschaft heftig in Frage, daß nämlich „die Wissenschaft frei sein sollte, jede Richtung zu untersuchen, die sie zu verfolgen wünscht, und daß jedes neue Ergebnis in der Öffentlichkeit frei verbreitet werden dürfe und die Gesellschaft sich anzupassen habe“. Nach Professor Etzioni „dürfen wir aber den wissenschaftlichen Anspruch auf ein unbegrenztes, unqualifizier­tes Übergewicht über alle anderen Werte nicht länger hinnehmen“ *). *) Für die deutsche Übersetzung der ersten, versuchsweisen englischen Ab­fassung des nachfolgenden Aufsatzes möchte ich Frau Kathrin Saupe (Max- Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, München) meinen auf­richtigen Dank aussprechen. Ähnlicherweise verbunden bin ich auch Frau Dr. Christiane Thomas (Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien) für ihre äußerst nützlichen redaktionellen Bemerkungen und Vorschläge. Für die Unzulänglich­keiten des Aufsatzes bin ich natürlich allein verantwortlich. b The Denver Post 1970 Februar 21, Beilage Religion News Weekly 1. — Verschiedene Aspekte des Problems wurden auch an zwei internationalen Col-

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