Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

THOMAS, Christiane: Kampf um die Weidenburg. Habsburg, Cilli und Görz 1440–1445

30 Christiane Thomas Die Zusammenkunft in St. Veit an der Glan vereinigte mit Friedrich, seinem Bruder Albrecht VI., Ulrich von Cilli und Heinrich und Katharina von Görz ein bestimmt untereinander nicht einiges Lager. Aeneas war im Hofstaat des Königs bei dieser Fürstentagung anwesend und berich­tete lebendig, ohne sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen, an Kaspar Schlick über die wahrscheinlichen Verhandlungsgegenstände, die nach außen hinter der Hülle einer glanzvollen Lehensbestätigung versteckt waren 146). Eingehend informiert war er aber nicht. Er wußte sicher, daß Hein­rich, der mit seiner Gattin am 29. Dezember in St. Veit eingelangt war 147 *), den Lehenseid leisten sollte und daß mit Görz und Cilli über den Zugang zum Etschtal konferiert werden würde. Weiters wurde gé­münkéit, daß Gespräche über das Verbleiben Cillis am Hof zur Tages­ordnung gehören würden. Rätselhaft war es, warum Katharina mitge­reist war, wenn sie nicht beabsichtigte, sich über die Beleidigungen durch ihren Gatten zu beschweren. Mit einem gewissen Behagen am Skandal referierte Aeneas Gerüchte über die alles Maß übersteigende Ungerech­tigkeit des Grafen. Nach einem on-dit („quidam rentur“) würde Katha­rina die Scheidung anstreben, da sie trotz der Schmeicheleien ihres Mannes für ihr Leben fürchtete. — Soweit Aeneas vor der persönlichen Begegnung mit dem gräflichen Paar. Der junge Höfling witterte eine saftige Skandalgeschichte — er versprach seinem Brieffreund, der Sache weiter nachzugehen 14S). Das tat er auch am 1. Januar 1444, nachdem er Gelegenheit hatte, das „dispar coniugium“ zu beobachten. Seine Feststel­lungen sind in das Gewand scheinheiliger, kopfschüttelnder Bewunderung gekleidet. Dahinter schüttete Aeneas beißenden Hohn über das Betragen Heinrichs und Katharinas aus, das so gar nicht zu den Erzählungen von Zwistigkeiten und Lebensbedrohung paßte. Denn jetzt herrschte Einig­keit, man zog gemeinsam in die Stadt ein, besuchte gemeinsam die Kirche, wanderte gemeinsam durch die Straßen, ja, man zeigte in aller Öffent­lichkeit seine Zuneigung. Was für eine „beata societas“, was für ein wun­dersames Schauspiel, meint Aeneas, scheinbar hochentzückt über diese glückliche Ehe, um sofort den Spieß umzudrehen und durchblicken zu ii«) Die auf das Görzer Grafenpaar bezüglichen Briefe tragen die Daten des 11. und 28. Dezember 1443 und des 1. und 12. Januar 1444 (W o 1 k a n Briefwechsel 244, 257, 266 f und 277). 147) Wiesflecker Entwicklung 360 datiert die Zusammenkunft nach Neujahr 1444. Aeneas teilt aber Schlick am 1. Januar 1444 (W o 1 k a n Brief­wechsel 266) mit: „comes Goricie iam triduo hic est eiusque consors.“ iis) Brief vom 28. Dezember 1443: W o 1 k a n Briefwechsel 257. Die Fama von einer Scheidungsklage entbehrt jeglicher Grundlage, da Friedrich IV. nie in Kompetenzbereiche der Kirche eingreifen kann. Sie taucht bei Czoernig Görz 562 wieder auf, der meint, die Sache sei beigelegt worden, da sich Katha­rina bald wieder bei Heinrich aufhält. Letzteres wird durch den Brief Heinrichs an Katharina von 1445 Januar 6 widerlegt (siehe unten S. 37).

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