Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

THOMAS, Christiane: Kampf um die Weidenburg. Habsburg, Cilli und Görz 1440–1445

Kampf um die Weidenburg 31 lassen, daß er ein Theaterspiel vor Augen zu haben glaubt: „nuper virum uxor captivum habuit in vinculaque coniecit ac horrendi criminis reum dixit, nunc unus lectus utrumque recipit et una pascit mensa“. Sein ironi­scher Skeptizismus, seine Ungläubigkeit — wenn man so will —, ob es hier mit rechten Dingen zugehe, wird mit den Worten Umrissen: „mira res, si tantum odium tam cito poni potest“ 149). Keine Frage: Das Ehepaar wahrte den Schein, man war ja offiziell versöhnt! Die Beweggründe, die Katharina nach St. Veit geführt hatten, moch­ten vielfältig sein. Ein direktes Zeugnis aus ihrem Mund besitzen wir nicht; alles, was anzumerken ist, darf nur als Hypothese gewertet wer­den. Daß sie der Zeremonie der Lehensbestätigung für ihren Gatten bei­wohnen wollte, wird wohl niemand für stichhaltig akzeptieren. Es mußte ein persönliches Anliegen dahinter verborgen sein. Rein äußerlich war zwar die Ehekrise überwunden, doch damit nicht garantiert, daß die schriftlichen Zugeständnisse für ihre Residenz und ihr Einkommen tat­sächlich realisiert wurden. So hoffte Katharina vielleicht auf Unter­stützung durch den König 15°), der seinem Lehensträger eindringlich ein­schärfen konnte, die Erfüllung seiner Versprechungen nicht hinauszuschie­ben. Gelang es ihr, Friedrich durch Klagen über das ihr widerfahrene Unrecht als Fürsprecher zu gewinnen, dann ist Hermanns Formulierung, Friedrich sei ihre „Zuflucht“ gewesen, zu Recht gebracht151). Mehr noch: Katharina wird getrachtet haben, Friedrich über ihre privaten Betreffe hinaus auch über die allgemeine Lage in den Görzer Besitzungen zu informieren und auf die dominierende Stellung Cillis hinzuweisen. Die verheerenden Auswirkungen der Eheeinigung mußten ihr bewußt sein, und damit stellte Friedrich IV. das einzige Gegengewicht dar, wollte sie sich nicht Venedig in die Arme werfen. Es wäre zu kühn, aus dem spär­lichen Quellenmaterial den Schluß zu ziehen, Katharina hätte durch Friedrich einen völligen Umsturz des Geschehenen erwartet. Aber ihre Reise an das königliche Hoflager sprach für eine Annäherung. Jetzt erst darf sie als Anhängerin Friedrichs bezeichnet werden. Ob für ihren Mann die Lehen bestätigt, ob sie verweigert wurden, war für sie nicht das Wichtigste. Sie reiste nicht ab, als sich die Verhandlungen mit Hein­rich zerschlugen. Bei Abwesenheit ihres Gatten konnte sie Friedrichs Miß­trauen gegen die Front Görz-Cilli schüren, seinen Zorn über den Miß­erfolg des Treffens wachhalten. Unzweifelhaft sorgte sie für das Be­kanntwerden ihrer Beschwerden — Details drangen bis zu Aeneas, der die Beträge ihres Witwengutes aufzuzählen wußte. Daß sie ihn zu beein­drucken verstand, daß sie in ihm ihren Parteigänger vermutete, ist aus dem letzten Brief über das Thema Görz zu interpretieren: „omnia vir 149) Brief vom 1. Januar 1444: W o 1 k a n Briefwechsel 266. iso) Wiesflecker Entwicklung 360. läl) Hermann Handbuch 161.

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