Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

THOMAS, Christiane: Kampf um die Weidenburg. Habsburg, Cilli und Görz 1440–1445

8 Christiane Thomas auch die Chronik de Renaldis 30). Respektierte man den Waffenstillstand, den Kaiser Sigmund 1433 mit Venedig geschlossen hatte31 32)? Wie dem auch immer sei, — die Schlüsselfigur, mit der Friedrich IV. ins Gespräch zu kommen trachtete, war Graf Heinrich. In zweiter Linie — dies erkannte der König spätestens im Oktober 1443, als er sich in eine Vermittlerrolle zwischen Heinrich und Katharina drängte s2) — und bestimmt in steigen­dem Maß galt es, die Gräfin zur Bundesgenossin zu machen. W'er war nun dieser Heinrich IV., um den Habsburg und Cilli warben, der Mittelpunkt im Tauziehen zur Arrondierung der eigenen Herr­schaftskomplexe? Charakterisiert man Friedrich IV. als den Vertreter seines Geschlechts, der alle Feinde überlebte und so alle Erfolge für sein Haus durch das Mittel des Wartens erreichte, so drängt sich eine Parallele zum Görzer Grafen auf. Seit 1394 ist er der Pol, um den Bündnis- und Erbfolgegedanken von Generationen kreisen, seit 1394 vereinbart er mit stets wechselnden Gegenspielern Erbverträge, die, untereinander wider­spruchsvoll, den Historiker vor Rätsel stellen 33). Ist er nur Spielball von Mächtigeren, oder verbirgt sich dahinter besondere Raffinesse, die einen Erblustigen gegen den anderen ausspielt? Beschreibungen einer Herrschergestalt, nicht solche seiner Taten, son­dern seines Aussehens, seines Benehmens, seiner Wirkung auf andere, sind auch noch für das Spätmittelalter selten. Umso überraschender ist es, daß gerade Heinrich IV. mit außergewöhnlicher Ausführlichkeit von einem Zeitgenossen, der ihn persönlich kannte, geschildert wurde. Nie­mand geringerer als Aeneas Silvius Piccolomini, Augenzeuge für einen kurzen, aber bedeutsamen Zeitabschnitt der Verhandlungen Friedrichs IV. mit Heinrich IV., widmet zwei längere Absätze34) einer Kennzeichnung des Grafen, die dessen Persönlichkeitsbild erhellen und dessen Entschlüsse und Reaktionen verständlich machen könnte. Diese biographischen No­tizen vermitteln keinen günstigen Eindruck von Art und Gewohnheiten 30) Cusin Documenti wie Anm. 29; I libri commemoriali della repubblica di Venezia 4 (1416—1452) hg. von R. Predelli (= Monumenti storici I [Documenti] 8, Venezia 1896); Girolamo de Renaldis Memorie storiche dei tre ultimi secoli del patriarcato d’Aquileia (1411—1751) hg. von G. Gropplero (Udine 1888). 31) Wiesflecker Entwicklung 358. 32) Siehe unten S. 23 f. 33) Siehe oben S. 4 ff. 34) Aeneae Sylvii episcopi Senensis in libros Antonii Panormitae poetae de dictis et factis Alphonsi regis memorabilibus commentarius in Aeneae Sylvii Piccolominiei postea Pii II. papae opera geographica et historica 1 (Francof. et Lipsiae 1707) 10 und 24; Aeneae Sylvii Pii II. pontificis maximi in Europam, sui temporis varias continentem historias ... (bekannt als Status Europae) ebenda 262. Czoernig Görz 561 vermischte beide ähnlich klingenden Absätze zu einer Beschreibung. Bis „qui sine siti somnum agerent“ folgt er dem Status Europae, wechselt sodann bis „nil sitientes dormirent“ zum Commentarius über, um mit der erstgenannten Quelle abzuschließen.

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