Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte

Rezensionen 429 am Rande erwähnt). Daran schließt sich die ausführliche Beschreibung des Klosterneuburger Manuskripts, gerechtfertigt durch die Bedeutung, die ihm als Nachrichtenquelle für Personal-, Sozial-, Besitz- und Landes­geschichte zukommt, und unumgänglich, da es zwar vollständig, aber falsch gebunden überliefert ist. D. gelingt es, die Voraussetzung für eine spätere Inangriffnahme der Edition zu schaffen, indem sie den alten, ursprüng­lichen Lagenbestand rekonstruiert (es ist wohl zu bescheiden, wenn die Vfn. dies selbst, S. 26, als „relativ leichtes“ Bemühen bezeichnet). Nach einer Stellungnahme zu Schrift, zeitlicher Abfassung, Form und Sprache der Notizen ist so die Möglichkeit gegeben, sie in weitaus größerem Um­fang als bisher zur Umgrenzung des Besitzes und zur Bestimmung des Personenkreises um die babenbergischen Markgrafen, insbesondere Leo­pold III., zu verwenden. Diesem Vorsatz ist das zweite Kapitel der Studien gewidmet, wobei nicht unterlassen wird, zunächst die Basis dieses Besitzes, die Königsschenkungen bis 1076, zu umreißen. Im folgenden werden ein­zelne Besitztümer erschlossen oder präzisiert, indem die Schenkungen der Markgrafenfamilie an Klosterneuburg untersucht werden. Da D. betont, daß „eine unerläßliche Voraussetzung zur Feststellung besitzgeschichtli­cher Zusammenhänge das Studium der Personengeschichte darstellt“ (S. 61), geht sie der Identifizierung und Lokalisierung von Personen- und Ortsnamen nach, trachtet, stützende oder auch ablehnende Anhalts­punkte für bislang unsichere Zuschreibungen zu erkennen und wirft neue Deutungen in die landesgeschichtliche Diskussion (vergleiche z. B. die Gleichsetzung der „parrochia Walchenstein“ mit Walkenstein, Gerichts­bezirk Eggenburg S. 70). Der letzte Teil ist Ausführungen über Adalbert, den ältesten Sohn Leopolds III., Vorbehalten, der mit Sicherheit Vogt von Klosterneuburg, Göttweig und aller hochstiftlich-passauischen Besitzungen in der Mark war. Der Klosterneuburger Kodex bringt hiezu die meisten Aufschlüsse. In ihrer Zusammenfassung kann D. feststellen, daß der vermutlich 1104/05 geborene, aus der ersten Ehe Markgraf Leopolds stammende Adal­bert bis zum Tod des Vaters eine wichtige Rolle als Träger zahlreicher Vogteien in der Mark spielte. Die Herkunft seiner eisten Gattin Adelheid, die vor 1132 gestorben sein muß, ist nicht zu klären. Hingegen ist seine zweite Frau Sophie mit Bestimmtheit eine Angehörige des ungarischen Königshauses. Daß die Nachwelt kaum Kenntnis von ihm hat, ist auf sein Unterliegen in der Frage der Nachfolge in der Markgrafschaft zurückzu­führen, wo sich sein jüngerer Bruder Leopold mit Hilfe der weitreichen­den Beziehungen seiner Mutter Agnes durchsetzen konnte. Eines darf nicht verschwiegen werden: bemängelt ein Rezensent schon ganz allgemein bei jeder historischen Veröffentlichung das Fehlen eines Registers, so erst recht in diesem Fall. Eine personen- und besitzgeschicht­liche Untersuchung steht und fällt mit der Anlage von Personen- und Ortsregistern, die es dann jedem anderen Historiker gestatten, die neuen Ergebnisse des betreffenden Werkes voll auszuschöpfen. Lägen die Stu­dien in Form eines alphabetischen und chronologischen Zettelkataloges vor, ließe sich der Verzicht auf ein Register entschuldigen. Eben weil aber die Vfn. ihr Detailwissen zu einer geschlossenen Darstellung ausbaut,

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