Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte
430 Literaturberichte Zusammenhänge sichtbar macht und Verbindungslinien zieht, vermißt man die Register umso schmerzlicher, die durch kein noch so aufgeschlüsseltes Inhaltsverzeichnis ersetzt werden können. Christiane Thomas (Wien) Wolfgang H i 1 g e r, Ikonographie Kaiser Ferdinands I. (1503—1564). (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Veröffentlichungen der Kommission für Geschichte Österreichs, Band 3 = Schriften des Franz Josef Mayer- Gunthof-Fonds 6). In Kommission bei Hermann Böhlaus Nachf., Wien- Köln—Graz 1969. 214 S., 1 Farbtaf., 124 Abb. auf 60 Taf. Wenngleich die Ikonographie als selbständige Disziplin anerkannt ist, führt sie immer noch ein Schattendasein, obwohl gerade von ihr in Wechselwirkung mit den schriftlichen Quellen neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewärtigen sind. Dies gilt nicht allein für die physische Erfassung des Aussehens historischer Persönlichkeiten, sondern ebensosehr für die systematische Erfassung der Sachgüter oder Realien, eine Aufgabe, die dem 1969 in Krems a. d. Donau gegründeten „Institut für mittelalterliche Realienkunde Österreichs“ der Österreichischen Akademie der Wissenschaften übertragen wurde. Zumal in Österreich bislang nur ganz wenige ikonographische Studien erschienen sind — etwa über Markgraf Leopold III., die Herzoge Albrecht III. und Leopold III. auf dem Altar von Schloß Tirol oder über Kaiser Friedrich III. —, ist das vorliegende Buch im besonderen zu begrüßen. Der Autor hat eine Fülle von bildlichen Quellen mit dem Porträt Ferdinands ausfindig machen können und diese den zeitgenössischen literarischen Denkmalen gegenübergestellt, sodaß vielfach nicht nur Physiognomie und Habitus, sondern auch Charakter und Lebensgewohnheiten dargestellt werden können. Daß hiebei den Relationen der gut beobachtenden und scharfsinnigen venezianischen Botschafter oder dem Diarium des Marino Sanuto besondere Bedeutung zukommt, liegt auf der Hand. H., der streng chronologisch vorgeht und innerhalb der zeitlichen Abfolge den typenmäßigen Zusammenhängen nachspürt, bringt z. B. auf S. 76 ff eine abgerundete Beschreibung Ferdinands, seines Charakters, seiner klugen Lebensregeln, die ihre Ergänzung finden in dem Umstand, daß der Monarch als Liebhaber von Pflanzen und Tieren gerne im oberen und unteren Lustgarten der Wiener Hofburg zur „Recreation“ lustwa- delte und für diesen Zweck die Gärten 1533/36 ausbauen ließ. Zur Erhärtung der vom Autor auf S. 111 ff ausgesprochenen Auffassung, daß das verschollene Porträt aus der letzten Lebenszeit des Herrschers von Giuseppe Arcimboldi gemalt wurde, sei vermerkt, daß der italienische Künstler im Südosttrakt der Hofburg eine Wohnung innehatte und somit häufig in der Umgebung Ferdinands weilte. Der ausgezeichnete Katalog der bildlichen Darstellungen Ferdinands berücksichtigt einerseits nahezu alle Techniken der Wiedergabe, andererseits auch eine Auswahl postumer Porträts. Ergänzend sei darauf aufmerksam gemacht, daß in den Annales rerum belli domique ab austria- cis habspurgicae gentis principibus des Gerard van Roo (Innsbruck 1592)